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Urgent Perspectives #1

10.11.2017 - 11.11.2017

Projektraum Viktor Bucher, Wien / Österreich

„Urgent Perspectives #1“ eröffnet im Rahmen des Artists-in-Residence-Mentoring-Programms von Bundeskanzleramt und KulturKontakt Austria die neue Ausstellungsreihe „Urgent Perspectives“ als ambulantes Ausstellungsformat, die einen Polylog zwischen artists-in-residence und österreichischen KünstlerInnen anregt. „Urgent Perspectives“ findet an wechselnden Ausstellungsorten in Wien statt und nutzt somit existierende Netzwerke und Ressourcen.

Die Ambivalenz von „dringlich“, d. h. das, was wir als kurzfristige Notwendigkeiten empfinden, und „Perspektiven“, die üblicherweise langfristig angelegt sind, verweist auf den Widerspruch, mit dem wir in unserem täglichen Handeln konfrontiert sind.... In „Urgent Perspectives“ trifft die begrenzte Zeit des temporären Status von AIR-KünstlerInnen auf die Dauer der vor Ort lebenden KünstlerInnen. Beide Zustände sind jedoch fluid und temporär, da sie nur den Moment des Aufeinandertreffens beschreiben. Dieser Moment birgt eine Kulmination von Austausch in sich, die über die kurzfristige Begegnung einer Ausstellung hinausreicht.

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Projekte der KünstlerInnen dienen als Dispositiv, um „dringende Perspektiven“ aus ihren jeweiligen Hintergründen zu reflektieren. Somit wird die Ausstellungsreihe zu einem kumulativen Prozess zu Fragen von „Dringlichkeit“ und „Perspektiven“, die das Spektrum von eigenen künstlerischen Anliegen bis zur Rolle von Kunst in der Gesellschaft reflektieren.

Für „Urgent Perspectives # 1“ haben alle Künstlerinnen neue Arbeiten entwickelt, die sie als Ausgangspunkt für weitere Arbeiten betrachten, oder mit denen sie existierende Prozesse fortsetzen werden. Verschiedene Formen von Gesten sind dabei ein durchgängiges Motiv in ihren künstlerischen Zugangsweisen. In der Geste des Hineinwerfens von Münzen in einen Brunnen nimmt Dalila Gonçalves Bezug auf das Wünschen, während Vida Guzmic „dringend“ im Sinne von verzweifelt (desperate) interpretiert. Sie ist speziell interessiert an alltäglichen, scheinbar unbedeutenden Handlungen von Frauen im Alltag in Wien. Nika Kupyrova betrachtet die Handlungsmuster von stereotypen Helden, an denen sich viele NutzerInnen in der virtuellen Welt von Videospielen orientieren, während Gabriele Sturm sich konkret für soziales Handeln engagiert – eine Geste, die sich jenseits öffentlicher Aufmerksamkeit all jenen unbeachteten „Anti-HeldInnen“ im Alltag widmet.

„From the palm of our hands“ von Dalila Gonçalves basiert auf ihrer langjährigen Sammlung von Münzen, in der sie aktuelle Zustände von „Wert“ über die Repräsentation von Münzen - und somit das nationale Selbstverständnis - über jeweils neue Anordnungen hinterfragt. In der Ausstellung installiert sie ein Wasserbecken, in dem sich Münzen mit Fischmotiven befinden. Ihre fotografischen Arbeiten zeigen verschiedene Aspekte von Kultivieren, vom Säen bis zum Ernten. Über diese Neuorganisation von Symbolen verliert das Geld seinen ökonomischen Wert und erfährt stattdessen einen neuen Wert. Die Narrationen, die die Künstlerin über Münzen anregt, eröffnen neue Perspektiven auf die Betrachtung von Geld und den Wert unserer Kultur.

Vida Guzmic untersucht in ihrem neuen Video feministische Räume in Wien, die dokumentarische Fragmente von Aufnahmen an verschiedenen Orten in Wien mit Textausschnitten und Theorie als Sammlung von persönlichen und öffentlichen Signalen, die eine Handlung hervorrufen können, überlagern. Es ist als Kollision verschiedener visueller und akustischer Einflüsse komponiert, die die Grenze zwischen Stillstand und Bewegung, Stille und Ton betonen. Das Video wird begleitet von Text-Installationen in der Galerie, die zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit oszillieren und sich informell in den Ausstellungskontext einschreiben.

Nika Kupyrova widmet sich der Rolle des „one hero“ in Videospielen und untersucht insbesondere das Display der online Video-Spiele, das die Werkzeuge in ein zweidimensionales Raster einordnet, während die Werkzeuge selbst dreidimensional sind. Die Rollen des Spiels unterliegen klassischen narrativen Handlungssträngen, sodass der /die SpielerIn schnell einsteigen und sich identifizieren kann. Die Ein-Held-Struktur wächst während des Spiels, während der Spieler einen eigenen Charakter aufbauen kann. Die Arbeit für die Ausstellung, für die die Künstlerin Wandskulpturen entwickelt, ist der Ausgangspunkt für weiterführende Arbeiten.

In „Risk to care“ transportiert Gabriele Sturm ihr nunmehr seit zwei Jahren tägliches (vor allem nächtliches) intensives Engagement im Gebiet des „Eisrings Süd“ in Wien, das zuweilen dringend und spontan notwendige Handlung und Haltung erfordert, in die Ausstellung. Die Wichtigkeit und Schönheit eines der letzten kaum genutzten Areale in Wien, welches gerade dadurch als Zufluchtsstätte für die menschliche Gesellschaft relevant/ irrelevant geworden ist, zeigt die Künstlerin anhand von verschiedenen Arten von unkonventionellen „Care-Paketen“.

Der Mikrokosmos, den die einzelnen Arbeiten in verschiedenen Kontexten über diverse künstlerische Praktiken eröffnen, wurde in Gesprächen, die die Künstlerinnen in Bezug auf „Urgent Perspectives“ führten, intensiviert. Dazu erscheint ein Text im Ausstellungsfolder.
Text von Barbara Holub

[Quelle: http://www.kulturkontakt.or.at/]

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last modified at 02.01.2018


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