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OBSERVATIONS

Information: OBSERVATIONS. 2013

19.11.2013 - 17.01.2014

Artist in Residence Niederösterreich, Krems an der Donau / Österreich
IG Bildende Kunst, Wien / Österreich

Eine Frage des Standpunktes

In der Ausstellung der beiden Künstler Eduard Constantin und Johann Lurf wird man buchstäblich in etwas hineingezogen. Während sich der Betrachter angesichts Constantins interaktiver Videoinstallation Living in the West in unfreiwilliger Zeugenschaft in der Rolle des aufmerksamen Beobachters einer fremden Nachbarschaft wiederfindet, gerät der Passant, der am Schaufenster der IG Bildenden Kunst vorbei flaniert, ungeahnt in den Sog von A to A (Kreis Wr. Neustadt), einer gleichsam rasenden und röhrenden filmischen Fahrt um eine Unzahl vermeintlich behübschter Kreisverkehre in Niederösterreich.... Bemerkenswert ist, dass es sich in beiden Arbeiten, die von ihrer Dynamik und Stimmungslage unterschiedlicher nicht sein können, gleichsam um dokumentarische Beobachtungen des Naheliegenden handelt, und dass vielleicht ausgerechnet in diese dialogische Gegenüberstellung zweier Untersuchungen des Alltäglichen aus variablen Perspektiven offenbar wird, wie schmal der Grat zwischen Idyll und Horror im Banalen sein kann. So entlarvt Johann Lurf den bemühten Versuch dem verkehrstechnisch motivierten Unort künstlich Bedeutung zu verleihen, im Schwindel der Drehbewegung dieses Roadmovie der Nirgendwo hinführt, als Groteske des Grauens. Eduard Constantin hingegen vermag, indem er beispielsweise Jugendliche filmt die einen ungenutzten Parkplatz als Spiel- und Fußballplatz vereinnahmen, berührend zu schildern, wie sich Menschen in wirtschaftlich prekären Lebenslagen verlassenes städtisches Territorium zu Eigen machen und mittels der Sinnentfremdung des Ortes im Banalen das Besondere entdecken.

Zwei fortdauernde Fotoserien der beiden Künstler ergänzen in formaler Entsprechung das Ausstellungsdisplay. Seit 2007 fotografiert Johann Lurf in den sogenannten Police Series Blaulichter auf Einsatzfahrzeugen der Polizei, wobei das blitzartige Einfangen und Festhalten des flüchtigen Moments im Vordergrund steht. Kontinuität und Langsamkeit zeichnen vergleichsweise die dokumentarische Fotoserie aus, die Eduard Constantins Mutter als „Witness of Change“ seit 2008 in Fortsetzung seines einjährigen Projekts Living in the West mit einer von ihrem Sohn zur Verfügung gestellten Kamera täglich weiterführt und damit protokolliert was sie selbst betrifft: nämlich den Umgang mit der zwangsläufigen Situation des Alle-Zeit-der-Welt-Habens.

Sowohl Eduard Constantins als auch Johann Lurfs Arbeiten zeichnen sich durch die präzise Beobachtung und gezielte Choreografie von Blickwinkeln aus und vermögen so, auf ihre jeweils originäre Weise und im Ausloten der medialen Möglichkeiten eine Verschiebung des Blickes und damit ein Aufbrechen konventioneller Wahrnehmungsmuster zu erwirken. Der Focus der Arbeiten ist dabei subjektiv gewählt und entspringt den jeweiligen ortsspezifischen und gesellschaftspolitischen Lebensrealitäten; eine Frage des Standpunks also, in mehrfacher Hinsicht!


[Quelle: www.igbildendekunst.at, 17.01.2018]

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