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E X I L

19.06.2019 - 31.07.2019

Charim Galerie Wien, Wien / Österreich

Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre machen Fragen nach der Relevanz künstlerischer Produktionen dringlicher. Wir stellen uns dieser Herausforderung und wollen diesen, für Österreich schon historischen Sommer 2019, mit einer Ausstellung feiern, die eine politische Agenda trägt. Der Begriff des EXILS scheint uns geeignet zu sein, politische Inhalte und Kunst in einer Weise zu verbinden, die nicht illustrativ und ästhetisierend ist. „Exil“ beinhaltet das Nachdenken über Identität und die Legitimierung von Herrschaft, die das Recht für sich beansprucht, Grenzen zu ziehen, Staatsbürgerschaft und somit Zugehörigkeit und Ausschluss zu definieren....

Larissa Sansour & Søren Lind, die bei der diesjährigen Biennale in Venedig mit ihrer Film/Installation den Dänischen Pavillon zu einem der bemerkenswertesten Beiträge dieses Kunstereignisses machten, greifen in „In the Future, They Ate From the Finest Porcelain, (2015)“ Sachverhalte der Legitimierung von Nationalstaatlichkeit anhand von Gründungsmythen auf. Die Szenen des in der Charim Galerie gezeigten Films spielen in naher Zukunft. Sie zeigen Aktivitäten einer Widerstandsgruppe, die elaborierte Porzellanobjekte an verschiedensten Stellen eines Landes vergräbt, um bei künftigen Fragen des Anspruchs auf jene Gebiete, Beweisgründe für eine vormalige Existenz ihrer Kultur zu haben. So wird ein Mythos geschaffen, der einer historischen Begründung von Nation, Nationalstaatlichkeit und Herrschaft dienlich sein wird. Sie schaffen dadurch de facto eine „Nation“.

Selma Doborac: „Es war ein Tag wie jeder andere im Frühling oder Sommer“ versucht durch einen filmisch-literarischen Zugang traumatische Erfahrungen des Bosnienkrieges zu vergegenwärtigen. Es ist ein Prozess des „Ausgrabens“ der Vergangenheit, in dem die Mitbedeutungen des Grabes und der poetischen Rekonstruktion der Kriegsgräuel noch Jahre danach, während einer Fahrt durch eine ehemalige Heimat, gegenwärtig ist. Die unauflösbare Schockwirkung der Vergangenheit findet in Selma Doborac’s Film ihre durchdachte Entsprechung in filmischen Darstellungsmitteln; so erhielt sie für diesen Film 2014 auch den „Crossing Europe Award“.

Maya Zack: Die in Tel Aviv lebende Filmemacherin und Künstlerin beschäftigt sich mit der Rekonstruktion von ehemaligen Lebensräumen und entsprechenden Alltagsritualen. Dabei wird die Erinnerungsarbeit oftmals zu einem eigenen Ritual, das Ordnung schaffen will, ein Unterfangen das in seiner Unmöglichkeit und teilweisen Absurdität die Unwiederbringlichkeit des durch Vertreibung und Auslöschung Verlorenen, unmittelbar erfahrbar macht. In der Rekonstruktion von Räumen und Zeichnungen von Alltagsgegenständen beispielsweise, die an die Abwesenheit der Besitzer*innen und deren Geschichten denken lassen.

Lisl Ponger: „Phantom Fremdes Wien (1992)“ ist das Ergebnis von teilnehmender Beobachtung auf der Suche nach dem „Fremden Wien“. In den frühen 1990er Jahren dokumentierte Lisl Ponger verschiedene Feste und Zusammenkünfte von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Die dabei entstandenen Dokumente von Ritualen und Festen zur Bewahrung von Identitäten und die Vielfalt im Neben- und Durcheinander einer Großstadt, montiert und kommentiert sie in einer Weise, die „das Fremde“ zum Phantom werden lässt, zu einem generalisierenden Trugbild.

Aktuell wird wieder mit „den Fremden“ Begriffspolitik betrieben und einem Ungeist Realität zugesprochen. Unsere Ausstellung soll ein Beitrag dazu sein, zu zeigen und erfahrbar zu machen, dass Kunst mit den ihr eigenen Mitteln Erfahrungen gestaltet, die im Nachdenken und den dadurch angeregten Gesprächen, die manipulierenden Trugbilder als Be-Tugsbilder kenntlich machen.


[Quelle: Einladung]

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zuletzt geändert am 22.07.2019


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