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A Casual Loop

Einladung: A Casual Loop. 2019

13.09.2019 - 12.10.2019

Charim Galerie Wien, Wien / Österreich
curated by_vienna 2019, circulation, Wien / Österreich

What interests us in our proposal is the idea of displacement, concatenation, permutation, mobility, transfer and correspondence, and of trajectories that the main idea encompasses in a subtle manner. Circulation is a term whose etymology finds its root in Latin circulatio. In other words: the act of moving in a circle, or in a course that brings the moving body to the place where its motion began. The act of passing from place to place or person to person. For this reason, the focus of this exhibition is more on the dynamics that govern the conditions under which the works are produced and the present that inspires them.... And what inevitably results from this is the causal loop effect involving information or objects that over time shift value and ultimately make sense. Another term that we would like to revive is the predestination paradox used in the Star Trek series to speak of a “time loop” in which a traveller returns to the past to try to prevent an event from occurring, but ends to provoke this event.

Since 2015, Hana Miletic´ has been developing a weaving practice that, on the one hand, allows her to reconnect with a craft stemming from the female genealogy of her family and, on the other hand, allows her to invest in weaving’s metaphorical social implications. Her woven textile works make the link between manual and automated work, between locality and industry and technology. Weaving as a technique creates a continuous loop between the head and the hand, which constitutes a kind of circulation.

Marina Pinsky‘s work examines the contours of our visual culture. The relationship between object and image in her work is materialized in the form of highly individual experiences, where interpretation eludes linear interpretations by using free association. Pinsky develops her stories in stages in which each of the subjects is transposed like a puzzle, spatially and materially. The mise en abyme is a working method that balances the socio-historical signifiers of the past and the present.

Pusha Petrov uses photographic imagery wisely, skillfully observing the intimacy of people and highlighting the details of their daily existence and their specific attitudes that lead to preserving the singularity of each. By taking pictures of gestures, objects or inhabited spaces, she symbolically shows the ordinary context of people, offering a sociological and aesthetic reading of ways of life.

Daniel Otero Torres maintains certain ambiguities between drawing and space, drawing and photography, the original and the copy, the viewer and the watched: the amalgam remains at the center of his approach. At the center of his work is the complete reinterpretation of photographic images through his pencil drawings.

Kasia Fudakowski explores social enigmas through a surreal logic and a burlesque humor. Her work often addresses the absurdity of certain accepted logics. The process gives rise to a progressive deconstruction. She uses the genealogy of the comical to manipulate expectations and criticize conventional social structures.

Peter Kogler has unquestionably collected all the ingredients of a system whose criteria could be meticulously listed, but he is undoubtedly one of those few who arrive at a constant aesthetic overtaking because he never lets himself go into a position of entrenchment; on the contrary, it bites on the margins and expands the contours of its own geography. For what he undertakes each time is only a clear desire to differ, to move, to slide, to thwart, not in the sense of the arrangements with the same but in the pure dialectic of the progress of the modern.

Parallel to the gallery exhibition, a special presentation will take place in Schleifmu¨hlgasse’s project space. Fatality 2011, by Adel Abdessemed, is an installation of seven standing microphones, from Murano glass, from which one could no doubt roll out many metaphors. For example, on the fragility of speech and information. Or perhaps it is to show that everything that affects the media loses its substance and becomes transparent? Drawing a line between collective memory and direct experience, in his work Adel Abdessemed raises the central questions of humanity, both through contemporary politics, history and events in his own biography.


Eine Kausalschleife

Die Vorgabe des Themas Circulation bei der diesja¨hrigen Ausgabe von curated by kann nur als Sammelbezeichnung verstanden werden, die einerseits das Sammeln diverser kuratorischer Materialien ermo¨glicht und andererseits, wie sich zeigt, dieses von einem programmatischen Kontext soweit befreit, dass die Prozesse dynamischer werden.

Unser Konzept thematisiert na¨mlich die Ideen von Verschiebung, Verkettung, Permutation, Mobilita¨t, Transfer und Korrespondenz. Es geht also um Projektionslinien, die auf das U¨berthema nur metaphorisch verweisen. Zirkulation leitet sich etymologisch vom lateinischen circulatio ab. Kurz gesagt geht es um ein Im-Kreis-Gehen, um die Passage von einem Ort zu anderen Orten oder von einer Person zu anderen Personen oder darum, sich nach einer Fortbewegung wieder am selben Ort einzufinden. Unsere Ausstellung legt ihr Augen- merk also auf die Dynamiken, mit denen die ausgestellten Werke hergestellt wurden, sowie auf die Gegenwart, auf die sie Bezug nehmen. Unser Konzept fu¨hrt damit zwangsla¨ufig zur Idee der Kausalschleife, da Informationen oder Gegensta¨nde mit der Zeit ihren Wert vera¨ndern, was letztlich erst ihren Sinn ergibt. Einen zweiten Begriff, auf den wir zuru¨ckkommen, ist der des Pra¨destinationsparadoxons, das in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise eine „Zeitschleife“ beschreibt, in der ein Raumfahrer in die Vergangenheit zuru¨ckreist, um ein ku¨nftiges Ereignis zu verhindern, das er dadurch in Wahrheit erst bewirkt.

Seit 2015 hat Hana Miletic das Handwerk des Webens erlernt und entwickelt, das sie einerseits mit der handwerklichen Tradition in der weiblichen Genealogie ihrer Familie verbindet und ihr andererseits ermo¨glicht, die sozialen Implikationen dieser Praxis auch metaphorisch zu nutzen. Ihre textilen Kunstwerke verbinden manuelle und maschinelle Arbeit, sowie O¨rtlichkeit mit Industrie und Technik. Die Weberei als Technik beruht auf einer permanenten Schleife zwischen Kopf und Hand und konstituiert so auch eine Art von Zirkulation.

Die Arbeit von Marina Pinsky untersucht die Oberfla¨che der visuellen Kultur. Die Beziehung zwischen Objekt und Bild fu¨hrt in ihrer Kunst zu stark individuellen Erlebnissen, die sich aufgrund der Technik freier Assoziationen linearen Deutungen entziehen. Pinsky entwickelt ihre Geschichten stufenweise, wobei jedes Thema wie ein Puzzlestein ra¨umlich eingesetzt wird. Das Bild im Bild ist ihre Arbeitsmethode. Mit ihr balanciert sie soziohistorische Bedeutungstra¨ger der Vergangenheit und der Zukunft aus.

Pusha Petrov verwendet auf u¨berlegte Weise das fotografische Bild, um gekonnt die Vertrautheit von Menschen zu untersuchen und die Details ihres Alltags und ihrer je spezifischen Haltung, die die Einzigartigkeit jedes Einzelnen ausmacht, hervorzuheben. Ihre Bilder von Gesten, Objekten oder bewohnten Ra¨umen zeigen Menschen in ihrem normalen Umfeld und dennoch als Stellvertreter, weil sie eine soziologische und a¨sthetische Lesart ihres jeweiligen Lebensstils ermo¨glichen.

Daniel Otero Torres akzentuiert in seiner Kunst die Ambivalenzen zwischen Zeichnung und Raum, Zeichnung und Fotografie, Original und Kopie, Betrachter und Betrachtetem, die er mit seinen Arbeiten zu einem Amalgam formt. Im Zentrum steht dabei die vo¨llige Neuinterpretation fotografischer Bilder durch die Bleistiftzeichnung.

Kasia Fudakowski untersucht gesellschaftliche Geheimnisse mit surrealer Logik und burleskem Humor. Ihre Kunst thematisiert nicht selten die Absurdita¨t unserer konsensuellen Logiken. Ihr Verfahren treibt die Dekonstruktion immer weiter voran, weil sie den Kanon des Komischen verwendet, um mit unseren Erwartungen zu spielen und soziale Konventionen zu kritisieren.

Peter Kogler hat unbestreitbar alle Zutaten eines Systems versammelt, dessen Kriterien penibel aufgelistet werden ko¨nnten, obgleich er einer der wenigen bleibt, die sich selbst sta¨ndig a¨sthetisch neu erfinden. Er la¨sst sich auf keine Position festlegen und schiebt die Grenzen seines eigenen Territoriums immer weiter hinaus. Denn alles, was er macht, zeugt vom Willen, anders sein zu wollen, um sich weiterzubewegen, u¨ber sich hinauszugehen, sich selbst hintertreibend – und zwar nicht dadurch, dass er sich mit sich arrangiert, sondern im Sinn einer reinen Dialektik des modernen Fortschritts.

Parallel zur Ausstellung in der Galerie findet im Projektraum in der Schleifmu¨hlgasse eine Sonderpra¨sentation statt. Fatalite´ (2011) ist eine Installation von Adel Abdessemed und besteht aus sieben Standmikrofonen aus Murano-Glas, woraus sich fraglos zahlreiche Metaphern entwickeln lassen – zum Beispiel die Zerbrechlichkeit von Sprache und Information betreffend. Oder zeigt das Werk, dass alles Mediale seine Substanz verliert und transparent wird? Adel Abdessemed zieht eine Grenzlinie zwischen kollektiver Erinnerung und unmittelbarem Erleben und wirft mit seiner Kunst die zentralen Fragen der Menschheit auf – politisch, aber auch historisch und autobiografisch.

Ami Barak
Translation (German): Thomas Raab


[Quelle: curatedby.at]

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last modified at 28.11.2019


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