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Guido van der Werve. at war with oneself

Einladung: Guido van der Werve. at war with oneself. 2013

23.11.2013 - 19.01.2014

Vereinigung Bildender KünstlerInnen, Wiener Secession, Wien / Österreich

Der niederländische Video- und Performance-Künstler Guido van der Werve stellt sich als Protagonist seiner Filme großen körperlichen Anforderungen. In seinen Arbeiten sucht er Zugänge zur Welt- und Selbsterfahrung, indem er den existenzialistischen Wettbewerb mit sich selbst in Szene setzt. Die Umsetzung der konzipierten Ereignisse wird von ihm jedoch nicht nur dokumentiert, sondern vielmehr als Ausgangspunkt genommen, um sie in komplexen Erzählungen über physisches Durchhaltevermögen, den Kampf mit der (eigenen) Natur, das Vergehen von Zeit und die unkontrollierbare Dynamik des Zufalls zu verdichten.... Strukturell verankert van der Werve, der auch über eine klassische Ausbildung als Pianist verfügt, seine Erzählungen häufig durch Bezüge zu Biografien von Komponisten wie Rachmaninow oder Chopin sowie durch eigene Kompositionen. So entstehen Arbeiten, die mittels körperlicher Anstrengung die Determinanten von Raum und Zeit vermessen und zugleich von einer tiefen Melancholie und der Verarbeitung von Einsamkeit zeugen.

Dem programmatischen Wunsch der KünstlerInnenvereinigung, für seine Ausstellung ein neues Werk zu entwickeln, hat Guido van der Werve mit einer Publikation, Nummer vijftien, at war with oneself, entsprochen. Das umfangreiche Künstlerbuch beinhaltet Text- und Bilddokumente sowie Selbstreflexionen und Analysen zu seiner jüngsten Werkgruppe aus den Jahren 2008 bis 2012, in der er neben der klassischen Musik vor allem den Sport thematisiert. In der Secession zeigt van der Werve neben der Publikation zwei darin dokumentierte Arbeiten: die mehrteilige Fotoarbeit Nummer dertien, emotional poverty. Effugio b, portrait of the artist as a mountaineer (2011) und den Film Nummer veertien, home (2012). Letzterer wurde in diesem Jahr bereits mehrfach in der Kategorie Kurzfilm ausgezeichnet: auf dem Filmfestival in Utrecht mit dem Gouden Kalf sowie auf dem Internationalen Filmfest in Rotterdam.

In dem 56-Minuten-Film Nummer veertien, home absolvierte van der Werve einen 1.700 km-Triathlon – die siebenfache Strecke des Ironman-Triathlons. Schwimmend, radfahrend und laufend legte er den Weg von Warschau nach Paris zurück, um jenen Pfad, den Chopins Herz reiste, bevor es begraben wurde, in der entgegengesetzten Richtung zurückzuverfolgen.

Die Dreiteilung der filmischen Erzählung entspricht nicht nur dem Triathlon, sondern ebenso dem Requiem, das van der Werve zu diesem Anlass selbst komponiert hat und als Soundtrack verwendet. Eingeschoben in den Hauptstrang der Erzählung – die sportliche Langzeitperformance – finden sich verschiedene Episoden zu Lebensstationen von Frédéric Chopin und Alexander dem Großen. Das metaphorische Potenzial der ausdauernd ausgeführten sportlichen Tätigkeit wird nicht zuletzt durch diesen vielschichtigen Aufbau als ein mehrdeutiges ausgelotet: Es schließt Selbstbestimmung und Selbsterfüllung ebenso ein wie Ehrgeiz und Leistung, aber auch Vereinzelung und die Sinnlosigkeit des Daseins in der Wiederholung. Obwohl die Arbeiten van der Werves deutliche autobiografische Züge tragen und seine persönlichen Leidenschaften verhandeln, bleibt er als Person und Künstlersubjekt zumeist im Hintergrund, um intensive Stimmungen und Raum für die Assoziationen der BetrachterInnen zu schaffen.
„Die Zusammenfassung persönlicher Erinnerungen und Erfahrungen ist ein Prozess, den ich in meinen Arbeiten regelmäßig anwende. Ich versuche, meine Arbeiten dadurch so offen wie möglich zu halten; ich verdichte die Erzählung derart, dass nur die Stimmung übrig bleibt. Die Stimmung ist ein Medium, das jeder nachempfinden kann, und vor allem haben alle eine ganz eigene Beziehung zu einer Stimmung. Der Künstler ist dabei nicht mehr wichtig.“ (Guido van der Werve, Interview mit Xander Karskens)

Den Moment der erfolgreichen Besteigung eines Berges und die daran geknüpfte Emotionalität erfasst van der Werve in Nummer dertien, emotional poverty. Effugio b, portrait of the artist as a mountaineer. Für diese Arbeit bezwang er den 6.962 Meter hohen Berg Aconcagua in Argentinien. Die im Zusammenhang mit der Leistung vielleicht zu erwartende Erhabenheit oder die Herrlichkeit der Landschaft werden von van der Werve allerdings unterlaufen, indem er dem Portrait von sich selbst im Anorak auf dem Rücken liegend und mit weit aufgerissenen Augen das Bild eines strahlend blauen Himmels gegenüberstellt.

[Quelle: www.secession.at]

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last modified at 12.03.2014


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