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UNOGIRO. Constantin und Clemens Luser

14.09.2013 - 03.11.2013

Gironcoli Museum, Sankt Johann bei Herberstein / Österreich

Architektur und Kunst stehen von jeher in enger Beziehung zueinander. Die eine Disziplin blieb funktionsgebunden, während die andere sich davon befreien konnte und sich permanent selbst neu definiert und positioniert. In der Verbindung der beiden Disziplinen steht oft die Konkretisierung des einen im anderen als wesentlicher Grundgedanke.

Clemens Luser ist Architekt und verwirklicht auch künstlerische Projekte – meist gemeinsam mit seinem Bruder Constantin, der Künstler und ausgebildeter Industrial Designer ist.... Da auch bei Constantin Luser zu Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit der Funktionszusammenhang (in Form von Designüberlegungen) vorhanden war, sind Lebensraum, Lebensformen, Gestaltungszusammenhänge und Funktionsweisen unterschiedlicher Systeme als Prämissen zu nennen. Im Zusammenwirken der beiden von scheinbar unterschiedlichen Seiten sich entwickelnden Dynamiken erreichen Constantin und Clemens Luser eine Verdichtung der jeweils eigenen Praxis.

Oft erinnern diese, vor allem in Constantins Zeichnungen stark zum Ausdruck kommenden Verdichtungen an technische Utopien, die im Wechselspiel zu organischen Vorstellungen existieren. Diese Verdichtungen konfigurieren sich im Kunstwerk zu modellhaften Grundstrukturen, die weit über das Illustrative hinausreichen.

Eine innere Logik ist den Gestaltungen Constantin Lusers zwar scheinbar eigen, jedoch verschleiert er diese und transferiert sie bestimmten Konsequenzen folgend, in einen surreal anmutenden Kosmos, der sich auch explizit an psychische und emotionale Bereiche wendet – Psychogramm, Schaltplan, Bauplan, Kartografie.

Im Gironcoli Museum zeigen die beiden Brüder sowohl Einzelarbeiten als auch gemeinschaftlich erarbeite Projekte. So kommentieren sie die ihnen nicht unverwandte skulpturale Kunst Bruno Gironcolis, indem sie dessen oft aus psychischen Untiefen kommenden Formationen, Konsequenzen und imaginäre Möglichkeiten angedeihen lassen. Verstiegenen Forschern gleich versuchen sie ein Erklärungsnetz höchst subjektiver Art über die bestehende skulpturale Anordnung zu legen – Ausgrabungen in der Zukunft.

In einem davon getrennten Raum entwickelt Clemens Luser in Zeichnungen und Gemälden ein von realer Architektur ausgehendes Universum, das einer konstruktivistischen Wohnstruktur genauso gerecht wird wie einer technoiden skulpturalen Konzeption. Erinnerungen an das reale Leben sind dabei durchaus vorhanden; im Bild erscheinen die architektonischen Formen jedoch unwirklich, fremd und dem Organischen konträr gegenüberstehend. Der Aspekt einer emotionalen Wahrnehmung trifft auch auf diese Formationen zu – Albtraumgebilde.

Wie aus den Psychonauten Bio-Hacker werden, zeigt die gemeinsam entwickelte und im Gironcoli Museum im Model ausgestellte Installation "Drehbaum", wobei sich ein in seiner natürlichen Umgebung belassener Baum langsam zu drehen beginnt. Bio-Hacker sind die Anarchos der Genforschung. In simpler Selbstbauweise werden dabei in Zusammenschlüssen von Biologen, Botanikern, Soziologen, Techniker und Künstlern Naturgesetze kreativ verändert und neu definiert. Wenn es in der Folge aus der Genverbindung zwischen Glühwürmchen und Baum zu leuchtenden Bäumen kommen kann, wäre es wenig überraschend, wenn sich aus einer entsprechenden Verbindung drehbare Bäume produzieren ließen. Clemens und Constantin Luser lösen das Problem sehr herkömmlich mit technischen Einrichtungen, die den Baum bewegen. Der Baum als vertrautes Symbol für Wachstum und Stabilität, Dauer und Unverrückbarkeit wird von den beiden mit Mobilität, Veränderung und Performativität ausgestattet – zentrale Phänomene der heutigen Gesellschaftsentwicklung.

Constantin und Clemens Luser erzeugen mehr noch in ihrer gemeinsamen Arbeit ein höchst eindrucksvolles Scheinuniversum, das von imaginären Kräften und Veränderungsprozessen geprägt zu sein scheint.
Günther Holler-Schuster

[Quelle: www.gironcoli-museum.com]

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