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Alexandra Vogt

29.09.2012 - 04.11.2012

Gironcoli Museum, Sankt Johann bei Herberstein / Österreich
Verein der Freunde des Gironcoli Museums, Sankt Johann bei Herberstein / Österreich

Alexandra Vogts Ausstellung im Gironcoli Museum handelt in gleichem Maß von Nähe und von Distanz. Der Ort, den uns ihre Kamera nahebringt, scheint zugleich so fern, dass wir nicht sagen können, um was es sich handelt: Eine Arbeit der Künstlerin? Eine andere Arbeit? Eine Einsiedelei? Es handelt sich wirklich um eine Einsiedelei. Aber mehr ist davon nicht zu sagen. Denn Alexandra Vogt dokumentiert dieses Motiv nicht. Genauso wenig folgt sie dem Bekenntnis des Einsiedlers. Im Film laufen die Sinnsprüche und Dekorationen ins Leere.... Aber die Entleerung ist nicht Ironie.

Nähe und Distanz prägen auch Alexandra Vogts Verhältnis zu ihrer eigenen Profession. Sie hat diese umfassend gelernt an der Akademie der Bildenden Künste in München, am Goldsmith College in London, an der Glasgow School of Art und an der Konsthögskolan Stockholm. Diese Reichweite der Orientierung kontrastiert scheinbar dazu, dass Alexandra Vogt ihre Arbeit in der Folge dezentral, in einer bewussten Distanz zum Kunstmarkt und zu Institutionen, entwickelt hat. Die Versetzung einer Einsiedelei aus dem Allgäu in die Steiermark und in ein Museum, das aber privat ist, stellt selbst eine Erzählung dar. Diese kann für eine heutige prekäre Existenz stehen zwischen Globalisierung und Regionalismus oder Fundamentalismus.

Im Gironcoli Museum zeigt Alexandra Vogt Ihre Identifikation und ihre Distanzierung. Beide nehmen zum einen die Form eines Spektakels an: Die Einsiedelei wird im Erdgeschoß in einem Raum gegenwärtig als Videoinstallation, die mehrere Filme umfasst. Diese epische oder impressive Repräsentation erfährt im zweiten Raum eine lyrische oder expressive Verdichtung in dem Film "EFFUGIUM 2012". Veit Loers führt dazu aus: "Das Video ist eine verwunschene Fahrt durch ein Labyrinth von Waldwegen, die in einem System angelegt sind, dessen Anfang und Ende offen ist. Die Wege sind durch Pflanzkübel geschmückt und mit Schriftbändern, die Parolen der Volksfrömmigkeit zeigen, überspannt. Eine spirituelle Fiktion inmitten eines echten Waldes. Alexandra Vogt läßt diesen verwunschenen Ort zum Schauplatz einer Psychofahrt werden, die sich rückwärts abspult. Spuren von Schnee, das dämmernde Licht beschwören einen Schwebezustand zwischen erlösendem Licht und limbushafter Dämmerung. Eine Zuflucht zwischen Fiktion und Realität." Man kann diesen Film auch erfahren als triumphale Fahrt durch die Klause im Wald. Wie der römische Triumphator sich als Gott kleiden durfte und Spottlieder anhören musste, ist auch dieser Triumph ambivalent: Das religiöse Subjekt ist geborgen zugleich und verloren.

Identifikation und Distanzierung treten zum zweiten auf in der Form eines Diskurses: Im oberen Raum, in dem Skulpturen von Bruno Gironcoli dauernd zu sehen sind, zeigt Alexandra Vogt ihre Installation "Buch 2011-2012". Diese besteht aus der Präsentation des Buches "Alexandra Vogt", das 2011 im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern erschienen ist. Zugleich werden Seiten aus diesem Buch herausgetrennt und umlaufend an Wandtafeln angebracht und kommentiert. Teilweise treten die Originale der Bilder wieder an die Stelle ihrer Abbildungen. Dieser Akt, das Buch zugleich zu zeigen und aufzulösen, entspricht weitreichenden Theorien als Handlung. So hat Jacques Derrida vom "Untergang des Buches" gesprochen, der "die Oberfläche des Textes bloßlegt", einer "notwendigen Gewalt" als "Antwort auf eine Gewalt, die nicht weniger notwendig war." Oder man kann sagen, dass Alexandra Vogt Walter Benjamin kommentiert, indem sie das Kunstwerk nach dem Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit zeigt.

Man wählt das Spektakel, um sich zu identifizieren. Man wählt den Diskurs, um sich zu distanzieren. Alexandra Vogt zeigt beides. Damit macht sie deutlich, dass Nähe und Ferne zusammengehören.

Berthold Reiß

[Quelle: www.gironcoli-musuem.com]

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