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The Visual Paradigm

13.03.2015 - 06.09.2015

Camera Austria, Graz / Österreich

Stephanie Kiwitt
In ihrem Projekt »Wondelgemse Meersen« (2012) fotografiert Stephanie Kiwitt (geboren 1972 in Bonn, lebt in Brüssel) ein Brachland im Norden der belgischen Stadt Gent. Das etwa 100 Hektar große Gebiet war ursprünglich ein Marschland und ist heute von Transportwegen, Gewerbe- und Wohngebieten und leerstehenden Fabrikgebäuden umgeben. Minutiös und in unzähligen Aufnahmen °– die im gleichnamigen Buch großteils im Raster, nur vereinzelt durch ganzseitige Bilder unterbrochen, abgebildet sind – dokumentiert Stephanie Kiwitt dieses semi-urbane Gebiet, bringt zahllose Details ins Bild, ohne jemals einen Überblick über die Landschaft selbst zu geben.... Es erscheint wie ein visuelles Abtasten, Sondieren, Erforschen – in den ausschnitthaften Bildern kollidieren Kultur und Natur, werden verschiedene Nutzungen angedeutet, allerdings nur bruchstückhaft und ohne Kontext; das Gebiet selbst bleibt unzugänglich und unbekannt, wodurch die Künstlerin eindrücklich eine Grenze des Dokumentarischen selbst dokumentiert.

Christian Mayer
(geboren 1976 in Sigmaringen, lebt in Wien) greift in einer Arbeit aus dem Jahr 2011 die Geschichte einer Expedition der National Geographic Society in den Basin State Park in Utah im Jahr 1949 auf: »Escalante Expedition Named This Glowing Valley ›Kodachrome Flat‹«. Frei im Raum stehende oder an die Wand angelehnte Bildtafeln mit den vergrößerten Originalaufnahmen und den dazugehörigen Bildunterschriften übersetzen eine bestimmte Geschichte des Sehens und dessen fotografischer Repräsentation in eine installative Anordnung, die die Künstlichkeit dieses Unterfangens betont. Mayer verdeutlicht mit dieser Werkgruppe, dass die Wahrnehmung von Landschaft auf engste mit den Kulturtechniken ihrer Aufzeichnung, Repräsentation, Verbreitung und auch Archivierung verbunden ist. Das Sehen selbst hat eine Geschichte und ist an spezifische Materialitäten geknüpft. Indem Mayer eine heute nicht mehr verfügbare Bildtechnologie aktualisiert – die Herstellung jenes Kodak-
Farbfilms, der in den 1940er Jahren der Fotografie eine neue Rolle als visuelles Leitmedium ermöglichte, wurde 2011 eingestellt –, betont er jene Aspekte und Verfahren, die die Verbildlichung und Archivierung von Wirklichkeit und gerade auch von Landschaft bestimmen.

Ricarda Roggan
Ricarda Roggans (geboren 1972 in Dresden, lebt in Leipzig) Arbeit ist durch eine grundsätzliche Kontrolle über das fotografische Bild gekennzeichnet. In komplexen Arrangements bestimmt sie, in welcher Art und Weise wir etwas sehen können. Diese Arbeitsweise lässt sich jedoch im Gegensatz zum Begriff der Inszenierung eher mit dem Begriff der Intervention beschreiben. Diese Methode wird selbst in der Auseinandersetzung mit Natur und Landschaft fortgeführt. In der Serie »Baumstücke« (seit 2007) beschneidet sie Blattwerk und Äste der abgebildeten Baumgruppen, bis diese ihrer Bildvorstellung entsprechen. Für die Serie »Sedimente« (seit 2008), aufgenommen in Steinbrüchen, arrangiert sie den Vordergrund der Bodenschichten um. Dabei werden vor allem dramatische oder Aufmerksamkeit erregende Details beseitigt. Es entstehen undurchdringliche Freilegungen, exemplarisch wie rätselhaft und ortlos. Gegensätzliche Ansätze wie Dokumentation und Konstruktion, Wirklichkeit und Modell, die in ihrer Methode deutlich werden, unterstreichen auch die Definitionsmacht des Visuellen in der Wahrnehmung von Landschaft.

Nicole Six & Paul Petritsch
In vielen Serien arbeiten Nicole Six und Paul Petritsch (geboren 1971 in Vöcklabruck und 1968 in Friesach, leben in Wien) über das moderne Paradigma der Entdeckung und Vermessung der Welt. Sie übersetzen die räumlichen Aspekte dieser Eroberungen in Repräsentationssysteme, die von konzeptuellen Verfahren gekennzeichnet sind und damit in einem Spannungsverhältnis zum (fotografischen) Bild stehen. In der Serie »Die Innere Grenze/Notranja meja« (2008) folgten sie anhand von historischen Karten der ehemaligen Grenze zwischen Österreich und dem »SHS-Staat« (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen), der nach dem Ersten Weltkrieg Anspruch auf Teile des heutigen Kärnten erhob. Knapp 60% der dort lebenden Bevölkerung stimmten bei einer Volksabstimmung 1920 für einen Verbleib bei Österreich. Nach einem vordefinierten kartografischen Raster entstehen Bilder an 74 Standorten, die verschiedene Landschaften entlang dieses historischen Grenzverlaufs zeigen. Fragen nach Möglichkeiten der Rekonstruktion und Dokumentation werden mit Fragen nach der politischen Bedeutung von Landschaft verknüpft.

[Quelle: camera-austria.at]

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last modified at 03.04.2015


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