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Revers de Trompe

02.10.2015 - 08.11.2015

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, Wien / Österreich (Kooperationspartner_in)
xhibit, Wien / Österreich (Veranstaltungsort)

Unter dem historischen Begriff des Trompe-l'Œils wird häufig eine möglichst absolute Täuschung verstanden – als wäre der Indikator eines gelungenen „Täusche das Auge!“ das völlige sich Absentieren des Kunstkontextes. Dabei liegt der Reiz von Trompe-l'Œils gerade im Wissen um das Ausloten von Darstellungspotenzial, im grenzüberschreitenden Einsatz von Medien sowie im Austausch und in der Wechselwirkung von Bildrealitäten und Bedeutungsebenen.

Die Hypersimulation des Trompe-l'Œils – nach Jean Baudrillard eine zu große Ähnlichkeit von Darstellung und Dargestelltem herstellend und damit die Realitätsprinzipien der dritten Dimension sowie deren Konstruktionsmethodik am Bildträger in Frage stellend – unterminierte einst die Konventionen hierarchischer Figürlichkeit und repräsentativer Räume der Renaissance.... Den Bildobjekten des Trompe-l'Œils schreibt Baudrillard eine „phantastische Prägnanz“ zu, vergleichbar jener, die Kinder beim Entdecken ihres eigenen Bildes erführen, und attestiert diesen Objekten Bestandteile einer „...urplötzlichen Halluzination, die der Ordnung der Wahrnehmung vorangeht.“

Umgekehrte und umgestülpte Perspektiven suggerieren den Betrachter_innen, selbst das angepeilte Ziel von etwas zu sein, das sich aus dem Kern des Werkes generiert – eine Reversion der Raumtiefe kulminiert in der Wahrnehmung des eigenen Körpers als Brennpunkt von Fluchtlinien.

Neben der Einebnung von High and Low Art mittels Motivik, die von alltäglichen Gegenständen zu bisher nicht bildwürdigen Sujets reicht und Teil selbstreflexiver Betrachtung von Konventionen der Kunstpraxis ist, wird bisweilen die künstlerische Tätigkeit samt Herstellungsprozess inklusive handwerklicher Bedingungen zur selbstreferenziellen Thematik.

In Revers de Trompe werden Arbeiten, die das traditionelle formale Repertoire des Trompe-l'Œils zitieren, mit solchen zueinander in Beziehung gesetzt, die nicht auf den ersten Blick einer Weiterführung der historischen Trompe-l'Œils impliziten Kunstpraxis zuzuordnen sind. Illusionistische Vorstöße innerhalb medialer Bereiche wie Malerei, Plastik oder Tapisserie prallen hier exzessiv auf ihre Grenzlinien, während sich kinetische Objekte in ihren zeitlichen Schwebezustand einfinden und sich Dargestelltes, Vorgestelltes und vermeintlich Tatsächliches in multistabiler Wahrnehmung verkoppelt. Allen Ausstellungsbeiträgen gemein ist jedoch eine offensive, mit Überraschungsmomenten durchzogene Planung ihrer durch sie selbst erzeugten Rezeptionsmodi. Sie verweisen somit in ihren strukturellen Betrachter_innen-Kunstwerk-Raum-Relationen auf jene Gestaltungsideen, die als Trompe-l'Œil die Scheidelinie von Kunst zur Nicht-Kunst, von Bild zum Nicht-Bild – immer auch mit Augenzwinkern – demontierten. […]

[Quelle: https://www.akbild.ac.at/]

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zuletzt geändert am 07.06.2017


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