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KONZETT KONZEPT KONZERT Nr. 2: Die Zeit, die Zeit

Einladung: KONZETT KONZEPT KONZERT Nr. 2: Die Zeit, die Zeit. 2015

02.10.2014 - 31.10.2014

KONZETT, Wien / Österreich, Graz / Österreich

Das Konzett Konzept Konzert, in der Folge KKK genannt, ist eine Projektreihe zur Verbindung von Kunstvermittlung im Allgemeinen und musikalischer Kunstvermittlung in Speziellen. Die traditionellen Formen „Ausstellung“ und „Konzert“ werden kritisch hinterfragt und einer Neuorientierung unterzogen.

Grundlage der Veranstaltungen ist die Zusammenstellung von Ausstellungsobjekten und Musikstücken, die unter einem thematischen Aspekt in Beziehung zueinander gebracht werden, verdichtend, ergänzend oder kontrapunktiv, kuratiert von Philipp Konzett (bildende Kunst), Michael Mautner (Musik).... Ein „klingender Katalog“ verbindet die beiden Ebenen: zu einem musikalischen Ritornell werden Texte zu Inhalt und Konzept des jeweiligen Projekts rezitiert, als Einstimmung, Information, Überleitung.

Mit dem KKK NR: 1 „Genuß und Schmerz zugleich“ wurde das Projekt erfolgreich im Mai/Juni 2014 aus der Taufe gehoben

KONZETT KONZEPT KONZERT NR: 2
DIE ZEIT, DIE ZEIT

In Martin Suter’s Buch: „Die Zeit, die Zeit“ versucht einer der Protagonisten nach der fiktiven Theorie von Walter W. Kerbeler die Zeit auszutricksen: „Die Zeit vergeht nicht, alles andere vergeht[…]Die Zeit gibt es nicht“. Was wir als zeitlichen Prozess wahrnähmen, sei nur die Veränderung. Die Veränderung schafft die Illusion von Zeit. Die Wiederholung ist ihr Tod".
Wenn mich niemand fragt, so weiß ich es; wenn mich aber jemand fragt, so weiß ich es nicht (Augustinus, „Confessiones“ 11. Buch über das Phänomen Zeit).

Die Wahrnehmung von Zeit in Kunst und Musik ist der Ausgangspunkt für unsere Reise in das Phänomen. Das Projekt widmet sich unter anderem der Frage: welche Methoden werden in Kunst und Musik angewandt, um wissenschaftliche und empirische Zeitparameter für die Betrachter oder Zuhörer erfahrbar zu machen? Tritt doch die erste Gattung durch primär optisch-haptische, die zweite durch primär akustisch-additive Interaktionsphänomene in Erscheinung.[1] Wo und wie treffen oder überschneiden sich die beiden Ebenen?

Im Fokus der Ausstellung stehen Arbeiten von Rudolf Polanszky, insbesondere seine Zeitspiralen, die auf mathematisch-musikalischen Theoremen beruhen und mit denen es ihm gelingt musikalische Abläufe bildlich zu fixieren. Sie stellen Basiselemente für Notationsstrukturen dar und bilden gemeinsam mit dem Akteur die Kompositionsmaschine zur Generierung von Instrumentalprototypen. (vgl. Polanszky, 2009)

Die Methoden zur Visualisierung von Zeit in der bildenden Kunst sind vielfältig. Eine davon ist die synchrone Darstellung von verschiedenen Zeitebenen. Unterschiedliche Momente werden im Bild so verfremdet kombiniert, dass sie als zeitlich differenziert wahrgenommen werden. Hans Weigands Endzeitszenario „Vortex“ zeigt synchron den Untergang der Menschheit durch die Zerstörung ihrer gesamten Kultur. Bei Dieter Roth, Joseph Beuys gehören physikalische und chemische Veränderungsprozesse zum künstlerischen Konzept und bringen das Moment der Vergänglichkeit und des Zerfalls ins Spiel. Anhand von Arbeiten von Franz West, Songül Boyraz, Zenita Komad, Günther Brus u. v. m. werden unterschiedliche Methoden von zur Darstellung von Zeit in der bildenden Kunst gezeigt.

KONZERTTERMIN am 23. Okt. 2014, um 19:30, Konzett Gallery, Spiegelgasse 21, 1010 Wien. Die Auswahl der Musik bringt Aspekte des Untertitels „Veränderung – Wiederholung – Stillstand“ ins Spiel.

Bernd Alois Zimmermanns „Tempus loquendi“ (Zeit des Redens) für Flöte solo (1963) suggeriert die Eckpunkte Veränderung und Stillstand durch einen genauestens strukturierten Wechsel von langen Einzeltönen und äußerst virtuosen Tonkaskaden. Als „Derivat des Seriellen“ setzt er darin den Atem, die elementarste Bedingung des Lebens, mit der Zeit, der „elementarsten Kategorie alles Erlebens überhaupt“, gleich.

Marain Marais nähert sich in „Le Badinage“ (Die Spielerei, 1717) durch ein raffiniertes Systhem von Wiederholungen dem Stillstand der Zeitwahrnehmung, minimal music aus dem frühen 18. Jahrhundert.

J. S. Bach Contrapunctus XIV für 2 Stimmen aus „die Kunst der Fuge“(1750) vereint die Zeitebenen Grundgestalt und Argumentation (Verdopplung der Zeitwerte) eines Themas mit der Form des Spiegelkanons.

Auch Michael Mautner’s „between the lines“ für Cello, Schlagwerk und Tänzer/in (1997, Neufassung 2014) ist die Gleichzeitigkeit zweier Zeitläufe das bestimmende Element: äußerste Dichte und deren langsame Auflösung im Cello einerseits, lange Zeitabstände und deren Verdichtung bis an den Rand der Spielbarkeit im Schlagwerk andererseits. „Die dadurch entstehende Korrespondenz der Notenwerte im Mittelteil ist Ansatzpunkt für die Bestimmung des Tanzes. Die oder der Tänzerin oder Tänzer agiert somit between the lines, durchaus im Sinne von zwischen feindlichen Linien.“

[Quelle: http://www.artkonzett.com/]

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