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Guillaume Bruère

02.04.2016 - 08.05.2016

Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz / Österreich

Im Dezember 2015 erlebte Guillaume Bruère bei einem Spaziergang mit seinen Kindern in Berlin das, was man als Einbruch der Realität in den heilen Alltag bezeichnen könnte. Die Turnhalle in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung war zu einer Notunterkunft für Flüchtlinge aus den Konflikt- und Kriegsgebieten des Nahen Ostens umfunktioniert worden. Bruère wurde das erste Mal in realiter mit den Menschen aus den Nachrichten konfrontiert und hat versucht, die medialen Bilder mit den realen Menschen in Einklang zu bringen.... Aus der ersten Begegnung mit diesen fremden Gesichtern erwuchs der Wunsch, diese zu zeichnen und dem gleichgültigen Bilderstrom der Medien, in denen der flüchtende Mensch nur im Plural einer homogenen Masse existiert, das Gesicht des Individuums in seiner Einzigartigkeit und Verletzlichkeit entgegenzusetzen. Zwei Tage vor Weihnachten entstand in einem kleinen Aufenthaltsraum zwischen zwei überfüllten Schlafsälen das erste Porträt: Mustafa Shaif aus Syrien.
In Guillaume Bruère, der sich in den letzten Jahren international einen Namen als herausragender Zeichner erworben hat, erwuchs das Vorhaben, zumindest jene Flüchtlinge seiner nächsten Umgebung, jene Weitgereisten, die temporär in einer Turnhalle von Berlin gestrandet sind, zeichnerisch zu verewigen, bevor sie weiterziehen oder zurückgezogen werden. Er wollte Ihre Anwesenheit dokumentieren, festhalten, wer sie waren und wie sie ausgesehen haben, und bezeugen, dass diese Menschen zumindest einen kurzen Zeitraum ihres Lebens in Deutschland gelebt haben, Nachbarn von ihm waren. Das Genre des Porträts bietet sich für den prekären Status der Asylsuchenden geradezu paradigmatisch an, repräsentiert es doch per definitionem die Anwesenheit eines Abwesenden. Das Bildnis einer Person, die abwesend ist, ob verzogen, verloren oder verstorben, wird „aufbewahrt“. „Das Porträt ruft die Präsenz zurück oder in Erinnerung und zwar im doppelten Wortsinn von
‚Erinnern’: ein Zurückholen aus der Abwesenheit und ein Gedenken in Abwesenheit.“
Guillaume Bruère war die Tage vor der Eröffnung (2. April) in der Steiermark und zeichnete in einem Flüchtlingsheim (Welcome Rothleiten) Portraits von unbegleiteten Jugendlichen aus Afghanistan, Irak, Syrien und Somalia.
Die Portraits sind, gemeinsam mit jenen aus Berlin, in der Ausstellung im Kulturzentrum bei den Minoriten bis 8. Mai zu sehen.

Das Projekt, das in enger Kooperation mit der steirischen Gesellschaft für Kulturpolitik entsteht, soll in öffentlichen Performance zu den Galerientagen (7. Mai, 10.30 Uhr) seinen abschließenden Höhepunkt finden, wo GIOM ein überdimensionales Flüchtlingsportrait anfertigen wird.

[Quelle: http://www.kultum.at]

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last modified at 10.05.2016


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