Datenbank > Ausstellung / Veranstaltung > Warum wir nicht an den Storch glauben sollten - physische..

Warum wir nicht an den Storch glauben sollten - physische Ordnungssysteme

Ausstellungsinformation: Warum wir nicht an den Storch glauben sollten - physische Ordnungssysteme.

15.02.2015 - 09.04.2015

flat 1 , Wien / Österreich
Künstlerhaus, Wien / Österreich (Veranstaltungsort)

Künstlerhaus divers“ ist eine neue Programmschiene, mit der sich das Künstlerhaus von den bisherigen Einzelausstellungen von Mitgliedern verabschiedet und einen Raum für Dialoge und Kooperationen öffnet, die das different Vielfältige des gegenwärtigen künstlerischen Diskurses zum Gegenstand haben. Weitere Ausstellungen und Interventionen werden folgen.

„Wie der Flu¨gelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen kann.“ Dieses Phänomen wird als Schmetterlingseffekt bezeichnet und meint gegebenenfalls die erstaunlich große Sensitivität mancher komplexer, nichtlinearer Systeme bezu¨glich kleiner Abweichungen in ihren Anfangsbedingungen.... Schon geringfu¨gig veränderte Details in der urspru¨nglichen Entstehungshistorie können demzufolge zu einer völlig anderen Entwicklung im langfristigen Verlauf fu¨hren.

Diese Theorie aus dem Jahr 1963, die dem Meteorologen Edward N. Lorenz zugeschrieben wird, stellt nicht nur fu¨r das von ihm analysierte System der Wettererscheinungen einen spannenden Ansatz dar. Das gilt fu¨r verschiedenste Systeme, wie etwa auch fu¨r soziologische. So beschriebt etwa der Spielfilm „Lola rennt“ unterschiedliche Handlungsalternativen einer Beziehungsgeschichte in Bezug auf kleine zufällige Änderungen in den Anfangsphasen der konfliktträchtigen Verbindung der beiden Protagonisten. Auch reichten eigentlich unscheinbare Details, um gar den Lauf der europäischen Geschichte - ein höchst komplexes System - zu ändern (als der Chauffeur des österreichischen Thronfolgerpaars in Sarajewo im Jahr 1914 falsch abbog und das Auto nur infolge dieses Fahrfehlers in die Schusslinie des Mörders geriet).

Dieser Ansatz kann aber auch und vor allem diverse physische Ordnungssystem des menschlichen Körpers beschreiben, begonnen bei seinen mechanisch-funktionalen Organsystemen bis hin zu komplexen körperlichen Abläufen, wie der Immunantwort bzw. deninnerzellulären Systemen.
Kleinste - dysfunktionale - Abweichungen fu¨hren dabei zu fatalen Folgen wie Krankheit, im physischen wie emotionalen Sinn. Spannend wird das Thema wenn scheinbar psychische Ordnungssysteme (also das momentane Empfinden) von physischen (etwa dem Hormonhaushalt) gesteuert werden.

Wir werden dabei auch die ku¨nstlerische Frage stellen, wie stabil diese Systeme der Ordnung sind, welche Kriterien sie ausser dem Schmetterlingeffekt noch irritieren können, aber auch wie sich innere und sogenannte äussere Systeme zueinander verhalten. Wir thematisieren was passiert, wenn unterschiedliche Ordnungssysteme aneinandergeraten, sich die Hierarchien - die es vielleicht ohnehin nicht gibt - vermischen. Oder was passiert, wenn Ordnungssysteme nicht mehr flexibel auf Veränderungen rundherum reagieren und in Starrheit erst recht jene Veränderung provozieren, um deren Verhinderung sie eigentlich geschaffen wurden?

Denn letztendlich gilt die Theorie des Schmetterlingseffekts im Sinne der Chaostheorie fu¨r fast alle Regelkreise die ineinandergreifen und so ein größeres Ganzes determinieren. Gerade politische Ordnungssysteme sind dabei - das zeigen die aktuellen geopolitischen Entwicklungen von der Ukraine bis nach Syrien ganz deutlich - höchst komplexe Regelkreise, die einander bedingen und beeinflussen und deren Funktionieren als eine Grundvoraussetzung moderner Gesellschaften gilt.
Kommen sie ins Ungleichgewicht, wird nicht weniger als das Funktionieren der Gesellschaft als Ganzes in Frage gestellt.

[Quelle: www.k-haus.at]

MEHR LESEN


alles anzeigen
alles schließen
+
Beteiligte
[8]

Kein Ergebnis

+
Archivalien
[1]

     

zuletzt geändert am 17.07.2017


Kunst- und Forschungsdatenbank - Angewandte/basis wien