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Focus: Hungary

21.09.2017 - 24.09.2017

viennacontemporary 2017, Wien / Österreich

Die diesjährige Sonderschau widmet sich der ungarischen Neo-Avantgarde der 1960er- und 1970er-Jahre, die bis heute kaum Anerkennung gefunden hat. Ausgehend von der Entwicklung der inoffiziellen Kunstszene der Neo-Avantgarde in Ungarn der frühen 1960er-Jahre unternimmt die Präsentation den Versuch, die unterschiedlichen Strömungen, die in dieser Zeit in Ungarn vorhanden waren, wieder bewusst zu machen. Anstatt lineare Entwicklungen aufzuzeigen, sollen die künstlerischen Wurzeln herausgearbeitet werden, die bis in die zeitgenössische Kunstproduktion wirken – mit dem Ziel, den Diskurs über die Neo-Avantgarde sowohl in Ungarn als auch in Zentral- und Osteuropa neu zu beleben....

Two-Way Movement

„Wenn wir heute an Ungarn Ende der sechziger Jahre zurückdenken, sehen wir ein Land, das seine Tore langsam gen Westen öffnet. Der Zeitraum ist von neuen wirtschaftlichen Grundsätzen mit kapitalistischen Elementen geprägt sowie von einer Kulturpolitik, die zaghaft erste kulturelle Bewegungen erlaubt und das Verbot der Abstraktion in der Kunst lockert.

Sieht man näher hin, entpuppt sich der augenscheinliche Gipfel dieser Strömungen um 1968 zugleich als der Anfang ihrer Unterdrückung: Mit Tschechiens Invasion schließen sich die Tore langsam wieder. Viele KünstlerInnen, die sich in den Sechzigern der radikalen Avantgarde-Bewegung angeschlossen haben, werden in den frühen siebziger Jahren zur Auswanderung gezwungen; Zwar können die MachthaberInnen die kulturell Ausgestoßenen der fünfziger Jahre in ihr System integrieren, nicht jedoch die jungen InnovatorInnen, die sich dem Westen angepasst haben. Jene, die aus Abenteuerlust – wie sie damals sagten – in Ungarn bleiben, versuchen, die Grundlagen für eine neue kollektive Kunstform zu legen und begeben sich auf die Suche nach neuen Arten der Avantgarde. Die Initiativen borgen etwa von dem intellektuellen Erbe von Bauhaus, prägen die urbane Umgebung (Ferenc Lantos, Pécs Workshop), stärken die Beziehung zwischen öffentlicher Erziehung und bildender Kunst (Imre Bak, István Nádler) und begründen neue Kunstpädagogik- und Kreativitätsübungen (Miklós Erdély, Dóra Maurer). Diese Bemühungen finden oft an geographischen und institutionellen Randgebieten statt, weit entfernt von der Hauptstadt und dem offiziellen System der Kunstinstitutionen.

Die Ausstellung konzentriert sich auf KünstlerInnen der ersten Hälfte der siebziger Jahre, die während jener Zeit der Versteifung, die auf die kurze Phase der Annäherung an den Westen folgte, neue Möglichkeiten in der ungarischen Neo-Avantgarde eröffneten. Die Geräte, auf die sie zurückgriffen, verkörperten meist einen Bruch mit klassischen Medien: Aktionen, konzeptuelle Fotografie, Briefkunst, etc. Die Ausstellung stellt jene KünstlerInnen der zweiten Hälfte der sechziger Jahre vor, die – indem sie außerhalb der Beschränkungen der offiziellen Kunstszene arbeiteten – eine Verbindung zu globalen Strömungen innerhalb der zeitgenössischen Kunst suchten. Von den MachthaberInnen wurden sie oft als „ExistentialistInnen” bezeichnet und in den frühen Siebzigern wählten sie entweder die Auswanderung oder alternative, innere Pfade (Tamás Szentjóby, Tibor Hajas). Zusätzlich präsentiert die Ausstellung einige Beispiele der künstlerischen Strömungen aus der zweiten Hälfte der siebziger Jahre, um die Richtung jener neuen Ideen zu skizzieren, die sich gegen Mitte des Jahrzehnts verfestigten. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl ungarischer Kunst aus einem Jahrzehnt und thematisiert damit die Gegensätzlichkeit von „Innen und Außen”, die Möglichkeiten, die KünstlerInnen dieser Epoche offenstanden und die Pfade, die sie wählten.“

[Quelle: www.viennacontemporary.at]

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last modified at 27.09.2017


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