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R. H. Quaytman. An Evening. Chapter 32

Einladung: R. H. Quaytman. An Evening. Chapter 32. 2017

17.11.2017 - 28.01.2018

Vereinigung Bildender KünstlerInnen, Wiener Secession, Wien / Österreich

Die Bilder der amerikanischen Künstlerin R. H. Quaytman sind rätselhaft, poetisch und persönlich. Im Mittelpunkt ihres Werkes steht die Malerei und die Intention, den symbolischen wie historischen Raum dieses Mediums und seine Fähigkeit zur absoluten Präsenz gleichermaßen zu erhalten wie zu hinterfragen.

Quaytman begreift ihre Bilder nicht als autonome Objekte, sondern als Werkgruppen, die die Bedingungen ihrer eigenen Produktion, Präsentation, Rezeption und Zirkulation anerkennen. Seit 2001 arbeitet sie für ihre thematisch zusammenhängenden Gemälde mit einer Kapitelstruktur als organisierendes Formprinzip.... Die Bilder verbinden gemalte Op-Art-Muster und fotografische Motive mit einer feinsinnigen Materialität – um diese zu erreichen, setzt die Künstlerin unter anderem Gips und Holzpaneele als Bildträger ein. Die Motive gehen oft auf Fotografien zurück, die Quaytman im Laufe ihrer Recherchen für ein Kapitel gefunden oder aufgenommen hat. Die Fotografien betreffen die spezifischen Eigenschaften des Ortes, an dem das jeweilige Kapitel zu ersten Mal ausgestellt wird: seine Architektur, die Menschen, die sie an diesem Ort kennenlernt, Kunstwerke und Objekte, die sie dort entdeckt oder deren Motive mit dem Ort verknüpft sind. Quaytmans Werke stehen häufig in Zusammenhang mit einem Archiv und ihren dortigen Entdeckungen, sie selbst spricht von der Suche nach „verlorenen Historien“.

Um ihre Praxis zu strukturieren, verwendet sie darüber hinaus verschiedene selbsterfundene Regeln und Systeme, um Material, Größe, Oberfläche und die Motive ihrer Bilder zu bestimmen. Beispielhaft dafür sind ihre Formate, für die sie – einem seriellen System des goldenen Schnitts folgend – sieben mögliche Maße entwickelt hat. Die Systeme sind voneinander unabhängig, die Dynamik ihres Werkes ergibt sich auch aus dem Umstand, dass ihre Praxis regelhaft erscheint, sie sich aber gleichzeitig die Freiheit nimmt, von den Regeln abzuweichen, wann immer sie will.

Für ihre Ausstellung in der Secession wird Rebecca Quaytman eine neue Werkgruppe entwickeln. Ausgangspunkt ist das Gemälde Die Perserinnen des Flamen Otto van Veen (1556–1629), das sich in der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien befindet. Quaytman ist durch Erzählungen auf das Bild, das seit Jahrzehnten im Depot des Museums gelagert war, aufmerksam geworden und war von der ungewöhnlichen Darstellung unmittelbar fasziniert. Eine Erzählung Plutarchs illustrierend, zeigt es Soldaten der persischen Armee, die beim Versuch, sich aus einer Schlacht in die Stadt zurückzuziehen, auf ihre Frauen treffen. Die entgegenkommenden Frauen entblößen ihre Schöße und erschrecken die Männer mit den Worten “Wohin lauft ihr denn so schnell, ihr größten Feiglinge auf der ganzen Welt? Ihr hofft doch wohl nicht, auf eurer Flucht dorthin zurück zu kriechen, woher ihr einst gekrochen kamt?“ derart, dass diese zurück in die Schlacht ziehen und gewinnen.

Charakteristisch für Quaytmans Zugang ist, dass sie in ihrem Werk nicht einfach nur ihre Entdeckungen präsentiert, sondern den Prozess dieser Aktivität selbst in ihre Bildfindung einbezieht. Eine zentrale Rolle hierbei wird die Restaurierung des historischen Gemäldes, die sie in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum veranlasst hat, spielen.

(1) Plutarch, De Mulierum Virtutibus (Bravery of Women), in Moralia, vol. III (Loeb Classical Library, 1931), S. 493

[Quelle: www.secession.at , 16.11.2017]

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