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springerin 2/99. Wahl der Waffen

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springerin 2/99. Wahl der Waffen. 1999 [Cover]
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Location

Wien / Österreich

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1999

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Umfangsangabe: [96] S. : zahlr. Ill. // »Wahl der Waffen' überprüft dei Arbeitsfelder und Methodologien aktueller Kunstpraxis. Welche neuen Bereiche tun sich im Anschluß an die institutions- und kontextkritischen Modelle der letzten Dekade auf? Welche noch unverbrauchten Strategeme stehen den KünstlerInnen dabei zur Verfügung?« So hatten wir Anfang des Jahres die Grundzüge dessen skizziert, was in diesem Heft von springerin verhandelt werden sollte. Mitten in der Redaktionsarbeit brach der Kosovo-Krieg aus. Ein Populismus der von Selbstbestimmung redet und Tyrannei im Auge hat, der Identität im Hinblick auf ein kategorisch definiertes Territorium und dessen erfundene Vergangenheit bestimmt, hatte ihn mit ethnischem Terror und Vertreibung provoziert. Ein unverfroren noch vorwärts blickender Phönix, der sich aus der Asche des kalten Krieges erhoben hatte und nun den Gesang vom hegemonialen Schutz der universalen Menschenrechte anstimmte, nutzte die Gelegenheit zur völkerrechtlich fatalen Demonstration seiner Macht. Der Titel des Heftes hatte ein neues Konnotat. Wir haben uns dennoch entschlossen, diesen Titel beizubehalten, jedoch den Fokus auch auf die Entwicklung der Gegenwartskunstszenen in diesem umkämpften Raum, auf deren Wahrnehmung von Nationalismus, Krieg und Medien zu lenken und darüber hinaus auch einen Blick auf die Befindlichkeiten des Kunstfeldes in der Kapitale der ehemals zweiten Supermacht zu werfen. Gerade dort wird die zunehmende Durchlässigkeit ökonomischer und kultureller Genzziehungen von vielen als Angriff auf die Integrität eigener kultureller Identität erlebt. Unsere Anfangsintention, das Augenmerk auf spezifische Fragen von symbolpolitischer Strategie und Taktik zu legen, blieb aufrecht, wie auch jene, sich dabei insbesondere mit Prozessen in historischen, territorialen, ökonomischen oder kulturellen »Übergangsräumen« auseinanderzusetzten. Die »Grenze« beziehungsweise »Grenzziehungen« sind mittlerweile ja zu Leitmetaphern geworden, wenn es darum geht, die komplexen und widersprüchlichen Weisen der Konstruktion von kultureller Identität und Differenz in ethnischen oder sozialen Verhältnissen, in politischer, ökonomischer, aber auch ästhetischer Praxis zu diskutieren. Grenzen werden dabei nicht nur als Trennlinien verstanden, sondern auch als Orte des interkulturellen und symbolischen Kontaktes, als Stätten der Kommunikation, des Zusammentreffens, als Arenen der positiven Artikulation potentiellen Widerspruchs. Lokale und partikuläre Konflikte werden weiter ausgefochten werden, um entweder alte kulturelle Grenzziehungen zu beseitigen oder neue Räume, die für ein selbstbestimmtes Handeln notwendig sind, zu schaffen. Notwendig erscheint eine solche Arbeit an den Grenzlinien auch in den Feldern der Gegenwartskunst, wollen diese nicht immer weiter in Kontexte gedrängt werden, die allein von ökonomischen Übergängen, Fusionen, Auflösungen und Neuschöpfungen bestimmt sind und in denen ästhetische Praxis ihre Potentiale letztlich nur mehr defensiv aktivieren kann. Auf gewisse Weise ist jede kulturelle oder soziale Auseinandersetzung heute von der Dimension des Ausverhandelns von Grenzen - seien sie real oder symbolisch - mitbestimmt. Und von der Wahl der Waffen, mit denen sie geführt werden. [Quelle: www.springerin.at/]

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