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Effektvolle Allianzen

Mit einem Highlight beginnt das Innsbrucker Fotoforum West das neue Ausstellungsjahr: einer Personale von Margherita Spiluttini.

INNSBRUCK. Die in Wien lebende Salzburgerin Margherita Spiluttini spielt international in der ersten Liga der Architekturfotografen. Dabei ist sie Autodidaktin, um sich - als Frau eines Architekten - von der reinen Hobbyfotografin zur Haus- und Hoffotografin der besten Architekten zu mausern.

Margherita Spiluttinis Blick ist dokumentarisch klar, ihre Bilder sind nie inszeniert. "Konstruktionen der Landschaft" nennt die Künstlerin ihre Werkschau, in der es um das Zusammenspiel von Landschaft und Technik, von Amorphem und Konstruiertem, von Mensch und seinem Umgang mit der Umwelt geht.

Der Mensch ist in Spiluttinis Bildern aber nie real präsent, sondern nur indirekt durch dessen Eingriffe in die Natur. Diese sieht die Fotografin aber nicht als etwas Negatives, die Umwelt Zerstörendes, sondern diese reizvoll Bereicherndes. Denn Gebirge gehen in Spiluttinis stillen Bildern effektvolle Allianzen mit gewaltigen Staumauern, bizarren Wildbachverbauungen, eleganten Tunnel- oder Straßenbauten ein. So entwickelt sich ein Spiel der Oberflächen, Farben und Strukturen, der verschiedenen Qualitäten naturgegebener bzw. rational errechneter Ästhetik.

Der illusorischen Sehnsucht des modernen Menschen nach einer unberührten Natur steht die Realität der dem Menschen untertan gemachten, von ihm zivilisierten Umwelt gegenüber. Bisweilen verwischen allerdings die Grenzen zwischen den Genres, wenn die Natur das ihr Entrissene zurückzuerobern beginnt, es durch seine Urgewalten brachial sprengt oder subtil seine Haut infiltriert.

Spiluttinis Interesse gilt aber auch den oft wie Mondlandschaften anmutenden Steinbrüchen, den Rohstoffquellen, die diese technischen Meisterleistungen erst möglich machen. Der Konstruktion stellt die Fotografin in diesen Bildern die Destruktion gegenüber, das Zerstörerische, das jeder Fortschritt auch in sich birgt. Nicht zuletzt dadurch wird Spiluttinis Ausstellung zu einer zum Nachdenken.

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Fotoforum West, Adolf-Pichler-Platz 8, Innsbruck; bis 22. Februar, Dienstag bis Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr. Am Samstag, 25. Jänner, 11 Uhr, Künstlergespräch in der Galerie.
2003-01-23 16:27:53