VN Sa, 7.6.2003

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Kultur 

Hellwach und hoch motiviert

Künstlerinnen präsentieren sich

Feldkirch (VN-cd) In verschiedenen Schlafstellungen ließ sich die Künstlerin Gerda Haas ablichten. Symbolisiert werden sollte damit die von der patriarchalischen Gesellschaft bevorzugte Haltung der Frau. Kombiniert mit einem Appell ans Aufwachen befinden sich die Bilder im Cafe April in Feldkirch.

Wie es dazu kam? Schon im Vorjahr wollte sich die Vorarlberger Künstlerin Sigrid Hutter von den durchwegs männlichen Leitern des "Feldkirch Festivals" nicht mundtot machen lassen. In der zentralen Themenausstellung zum Programm schienen Künstlerinnen so gut wie gar nicht auf. Übersättigt von Orpheus - so die zentrale Figur des Zehntageaufmarsches - machte sich Hutter auf die Suche nach Eurydike.

Heuer verfolgt man in den Feldkircher Konzertsälen bekanntermaßen "Gottesspuren", in den Schaufenstern spürt man deshalb den Göttinnen nach.

Malerei dominiert

Dass Spiritualität lange vor der Machtentfaltung der katholischen Kirche ein Faktor im Leben der Menschen war, rufen die Künstlerinnen dabei in Erinnerung. Die Ausstellung ist von der Malerei dominiert. Während etwa Ute-Friederike Mangold mit einem markanten Gesicht fest hält, dass eine Versöhnung aufgrund der Machtverhältnisse nicht stattfinden kann, blicken andere Künstlerinnen - wie etwa Sigrid Fend - etwas hoffnungsvoller in die Zukunft. Bei Sisi Klocker existiert - selbstbewusst wie die Malerin, Kabarettistin und Sängerin nun einmal ist - sowieso vor allem die Göttin. Warum auch nicht. In der Menschheitsgeschichte tritt das Göttliche bekanntermaßen erst sehr spät in männlicher Gestalt auf.

Und was die Bilder von Gerda Haas betrifft, so darf man anfügen, dass eine patriarchalisch strukturierte Gesellschaft die Frau auch ganz gerne in dienender Arbeitshaltung sieht. Einmal aufgewacht, darf man nur hoffen, dass ihre Figur sogleich den aufrechten Gang anstrebt.

Aber hellwach und hoch motiviert sind sie doch eigentlich alle, die Künstlerinnen, mitunter, weil auch die Gegebenheiten im Kunstbetrieb noch so sind, dass verschlafene Zeitgenossen nur dann eine Chance haben, wenn sie männlich sind. Ein Stadtrundgang, der zu Kunst von unterschiedlicher Qualität führt, aber auf jeden Fall wach hält, motiviert und im besten Sinn Anstoß erregt. Alleine schon, weil die Existenz und Art dieses Projekts doch einiges über den Zustand und die Mängel in Gesellschaft und Kulturlandschaft aussagen.

Zu sehen bis 30. Juni im Modehaus Garzon, Max Headroom, Der bunte Hund, Montfort Raum Design, Buchhandlung Bayer, Drogerie Albert, Cafe April, Johanniterhof, Schuhbidu, Antike G&MKatzenmeyer, Creativa

DIE KÜNSTLERINNEN

• Evelyne Aberer-Grass

• Eva Buchrainer

• Ela Wal

• Sigrid Fend

• Christine Hartmann

• Gerda Haas

• Yvette Heller/Gabriele Ulmer

• Sigrid Hutter

• Si.Si. Klocker

• Gerda Kraxner-Grissing

• Renate Ludescher-Krapetz

• Ute-Friederike Mangold

• Katharina Merz

• May-Britt/Nyberg-Chromy

• Andrea Ogris

• Brigitte Penz

• Sissi Schupp

• Liliy Eber

• Traute Mercedes Welte

• Lisa Wolf

Im Café April sind Werke von Gerda Haas zu sehen. (Foto: VN/Dietrich)




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