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Quer durch Galerien

Die Quadratur des Riesenrads

Von Claudia Aigner
Wenn ein Reiseprospekt groß angibt mit einem "Zimmer mit Aussicht", womöglich mit Aussicht auf die ganze Welt, dann ist Misstrauen angebracht. Lockt er mit "Fernblick", dann ist sowieso alles klar für den skeptischen Konsumenten, der die geheimen Botschaften der Werbung zu lesen versteht: Zimmer mit Television. Auch hinter dem "Zimmer mit Aussicht" könnte sich ein solches "Zimmer mit Fernseher" verbergen (und mit Fenstern zum Hinterhof).

Das österreichische Webverzeichnis! Und wenn das Mezzanin (Karl-Schweighofer-Gasse 12, bis 8. März) eine "Homage to the square", eine Huldigung ans Quadrat verheißt, dann sollte man das auch nicht so eng sehen. Und nicht überrascht sein, wenn man gleich in drei Fernsehapparate hineinschaut. Und die italienischen Fernsehastrologen und Wahrsagerinnen, die in einem der drei Fernsehkastln residieren und in die Sterne und die Zukunft schauen, also einen Beruf "mit Fernblick" haben, tragen nicht einmal Vichy-Karo, während sie brav die telefonische Frage eines gewissen Christian Jankowski beantworten, der wissen will, wie denn sein gerade entstehendes Werk auf der Biennale in Venedig ankommen wird: "Es wird triumphal sein. Aber eventuell gibt es Probleme mit dem ökonomischen Prozess."
Na gut, das Fernsehbildformat ist immerhin eine Hommage ans unglückliche, pardon: missglückte Quadrat - ans Rechteck. Und wieso das Instrument genannt "Trübsal" blasen? Die Wachhunde von Anna Jermolaewa sind laut genug. Ein Video wie ein Hundezwinger. Freilich für batteriebetriebene Hunderln, die aber wie ihre pedigree- und chappibetriebenen Vorbilder interaktiv sind: Wenn der Einbrecher in die Hände klatscht, sich etwa am Tatort selber applaudiert, dann bellen sie. Bei der Jermolaewa, die hyperaktivem Kinderspielzeug in ihren Filmen und Installationen gern ein Heim gibt und den Besitzer eines Gehörgangs in den Nervenkollaps oder zum Ausschaltknopf treibt, ist das ja schon Routine. Positiv ausgedrückt: Stil.
Und wir finden nicht einmal bei unseren Manner-Schnitten daheim Trost, die durch die Abbildung vom Stephansdom auf der Packung als Wahrzeichen von Wien autorisiert sind, aber zum rosaroten Quadrat nur tendieren (elf Gramm Schnittenmasse fehlen ihnen, nach meinen Berechnungen, noch zum perfekten Quadrat). Deshalb können sie gar nicht die Quadratur des Riesenrads im Maßstab eins zu wasweißich sein. Josef Manner hat nicht einmal versucht, die Kreisfläche des Riesenrads im Prater mit Zirkel und Lineal in haselnusscremegefüllte Waffeln gleichen Flächeninhalts umzuwandeln, was "aus bestimmten mathematischen Gründen" aber eh nicht möglich ist.

Galerie Mezzanin: Quadrate mag man eben

Wer sich zuhause mit Lineal und Winkelmesser ein Phantombild vom Quadrat zeichnet und dann vor Ort nach Ähnlichkeiten sucht, kommt natürlich schon auf einen kleinen Kreis der Verdächtigen. Und mein Lapsus war mir nicht einmal peinlich, dass ich vor lauter Quadrathunger die unbenutzte, also "unvollendete" Magnetpinnwand (die die Mindeststandards erfüllt: vier gleich lange Seiten und vier rechte Winkel) sogleich als Opus des Minimalismus identifizierte, das in seinem kühlen Rationalismus die Vielfalt von Farbe und Form auf das Minimum reduziert. Warum ich mich nicht genierte? Weil es oft schon schwer ist, etwas als Kunstwerk zu erkennen. Doch etwas nicht als Werk der Kunst zu erkennen, das ist die wahre Herausforderung.
Bei einer Rasterfahndung nach dem Quadrat kommt weiters heraus: der titelgebende Quadratklassiker "Homage to the Square" von Josef Albers (eine wahrnehmungspsychologische Serie aus farblich und formal präzise übereinandergelegten Vierecken, hier in Siebdrucktechnik). Oder Donald Judds Sesselprototyp, der vielleicht dem Quadrat huldigt (aus quadratischen Sperrholzplatten gezimmert ist), aber nicht dem Gesäß, das beim Sitzen sicher keine Laudatio auf Donald Judd murmeln wird. Bereits vom Hinschauen kriegt man Kreuzschmerzen und einen Platthintern. Kurz: Das ist ein "Bye-bye Chair", ein Pfiat-di-Stuhl, ein Sitzfleischvergrauler. Eigentlich ärger als in den Kurzsitzzonen, den Fastfood-Restaurants, deren Strategie das Animieren zum Schnellsitzen ist. Hop on, hop off.
Ja, es besteht der begründete Verdacht, dass die Leerstellen zwischen den wenigen gezeigten Quadraten einfach mit Dingen ausgefüllt worden sind, die man "irgendwas" nennt. Was nicht heißt, dass die Sachen schlecht wären. Besonders das rätselhafte, logoartige, winzige Gummiding "Blp" nicht, das Richard Artschwager diskret an Wänden hinterlässt wie ein Schönheitspflaster oder eine "Ich war da"-Geste. Und der böse Zuckerlonkel Carsten Höller lebt in seinem unterhaltsam zynischen Video "Jenny" seine pädophoben Fantasien aus. Verbreitet Angst und vergiftete Zuckerln, reibt einen ganzen Spielplatz mit Giftpilzen ein oder ködert eine mobile Windel (ein Baby) mit einem Überraschungsei, bis die Falle (eine umgedrehte Gehschule) zuschnappt. Beunruhigend. Die Kinder von heute sind schließlich die Menschheit beziehungsweise die Fortpflanzer von morgen.
Man würd' es ja verstehen, wenn er eine von diesen Schokoladen, die laut Werbeslogan "quadratisch, praktisch, gut" sind, mit Darmbeschleuniger (Rizinusöl) präparieren würde und deshalb jetzt hier gezeigt würde. Und wer ist diese Jenny? Seine kindliche Muse, die ihn zu seinen Herausforderungen ans infantile Immunsystem inspiriert hat? Zu seinen Knusperhexenallüren?

Atrium ed Arte: Die Depression der Schaufensterpuppen

Bald sind die letzten Grünflächen in der Stadt ohnedies nur noch die Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte, wo die Leute dann ihre Ausflüge hinmachen, um Natur zu tanken. Karen Holländer hat die vegetarischste aller Farben nun quasi aus den Tiefen der Blattsalate hochgetaucht, und das Grün zieht sich jetzt als Leitfarbe durch ihre neue Werkgruppe (bis 5. März im Atrium ed Arte, Lerchenfelder Straße 31).
Ihr strenges Selbstporträt ist schon extrem plakativ wie die meisten der Bilder. Doch sie versteht es, das kräftige Grün zielsicher ins blasse Ambiente zu setzen. Soll heißen: Sie hat Farbdisziplin. Eindeutig eine Allegorie auf die Hoffnung: Auf ihrem T-Shirt steht "hope" und sie strickt. Wohl was Abstraktes. Und hofft eher nicht auf eine Socke, in der ja das Urbehagen kulminiert. Die Wolle ist jedenfalls grün wie die Hoffnung.
Das Hauptthema der Serie: Die Welt des Konsums. Die Melancholie der Schaufensterpuppen nach Ladenschluss oder ihre Depression, wenn sie anscheinend der Abverkauf als nackten, konfusen Haufen aus Gliedmaßen und Waschbrettbäuchen zurückgelassen hat, weil die Gier sogar noch den Hütern der idealen Konfektionsgröße (die weibliche Schaufensterpuppe ist das "Messgerät" für die Damengröße 36) brutal das G'wand heruntergekauft hat. Bilder voll Einsamkeit und Kälte im gar nicht so schlaraffischen Schlaraffenland.

Erschienen am: 25.02.2005

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