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Quer durch Galerien: IG Bildende Kunst; Steinek-Halle; Galerie Ariadne

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Entzug durch Kaiserschnitt?

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Selig sind die Unmoralischen, denn sie werden jetzt gegen eine kleine Rezeptgebühr moralisch. Und glücklich die Humorlosen, denn sie werden den Humor wie ein Aspirin einnehmen. Na ja, nicht ganz wie ein Aspirin. Denn die Arzneien "Moral" und "Humor" muss man hintenherum "schlucken" (mit dem Antipoden des Mundes sozusagen).
Christian T. Thurner (bis 26. April nimmt er an der Tabletten- und Zäpfchen-Schau der IG Bildende Kunst, Gumpendorfer Straße Nr. 10-12, teil) hat Medikamentenpackungen perfekt kopiert und die seriös-medizinischen Hinweise auf den Schachteln lustvoll umformuliert. Pharmazeutische Allmachtsfantasien mit Unterhaltungswert. Herkömmliche Psychopharmaka heißen ja nicht so entlarvend banal wie "Normal" (ein "Anti-Extravaganzium").
"Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen . . .": Katarina Matiasek klärt in diesem Jargon über eine Nebenwirkung auf, die eine Pille schon allein durch ihre physische Existenz hat (aber nur, wenn der Patient eine pathologische Angst vor Knöpfen und ähnlichen Kleinigkeiten hat). Und "Fon" hat eine Art Psychodroge entwickelt, die übers Ohr aufgenommen wird und tatsächlich wirkt. Jedenfalls fühlt man sich sehr unwohl. Die CD muss folglich als gelungen eingestuft werden. Ich hätte mir hier trotzdem etwas Leibhaftigeres erwartet. Eine "Art Pill" vielleicht, den schnittigen Sponsorenpreis in Kapselform, den die IG Bildende Kunst am 3. April der Firma Siemens überreichen wird (um 20 Uhr im MAK). Der dort aber hoffentlich nicht wirklich verabreicht wird, weil sonst die entsprechende Körperöffnung das Kaliber eines Torpedorohrs hat. Kurz: Die "Art Pill" könnte einen Körper nur durch "Kaiserschnitt" wieder verlassen.
Schöner als der Inhalt einer Waschmaschinentrommel, aber trotzdem gut durchgemischt: die Textilcollagen von Franz Motschnig (bis 12. April in der Steinek-Halle, Pramergasse 6). Nicht zuletzt wegen ihrer raffinierten Lasuren (durch Transparentstoffe) sind diese delikaten Farbkompositionen jeder Pinselmalerei ebenbürtig. Aus den "total abstrakten" Bildern hinter Glas wird man freilich von eindeutigen Hemdsärmeln herausgerissen. Und von Hörnchennudeln, an deren lapidarem Hörnchennudelsein nicht der geringste Zweifel besteht. Reizvolle "gegenständlich-abstrakte" Symbiosen. Und man ist nahe daran, es als ironisch servierten Kommentar zur traditionellen Malerei zu werten, wenn man sieht, wie sich auch noch "richtige" Farbhäute krampfhaft außen am Glas "festkrallen", sich aber sichtlich schwer tun, haften zu bleiben. Die Farbe im herkömmlichen Aggregatzustand (flüssig) will rein in die Malerei. Aber so leicht macht man es ihr heute nicht mehr.
Wenn Matthias Baumgartner (bis 7. April in der Galerie Ariadne, Bäckerstraße 6) seine menschlichen Schatten aufeinander loslässt, dann ist das sehr oder gar nicht befriedigend. Sehr: in den ruhigeren, farblich und formal souveränen Arbeiten. Gar nicht: in den ziemlich hingeschusselten Blättern. Ein schneller Pinsel ist halt nicht automatisch "Virtuosität".

Erschienen am: 30.03.2001

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