VN Mo, 22.7.2002

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Dass der Teufel die Kunst hole

Deutschbauer, Spring und Fink am Tizianplatz oder die österreichische Misere

Bregenz (VN-cd) Ein Alpenpanorama hat Tone Fink für die Ausstellung "Medium Berge" im Bregenzer Künstlerhaus geschaffen, dazu Bergskulpturen aus edlem Himalayapapier. Wer die Ausstellung nun besucht, wird nur noch das rohe Metallgerüst zu sehen bekommen, die Skulpturen bzw. deren Haut wurde Samstagnacht im Rahmen einer Kunstaktion verbrannt.

Für Tone Fink war es ein Akt, der ihm ordentlich Überwindung kostete. Kunstwerke zu verbrennen, das sei als öffentliche Aktion ja nun wirklich etwas ausgelaugt. Der Künstler weiß es, will auch nicht in dieses Eck gedrängt werden.

Das graphische Innenleben

Fink, dem Papier als Hülle verschiedener Arbeiten (seien es Skulpturen, Gewänder, Masken, Möbel, fahr- oder schwenkbare Objekte) so vertraut geworden ist wie die eigene Haut, ging es dabei freilich auch um das Aufzeigen der Vergänglichkeit. Bevor die Berge in Flammen aufgingen, dienten sie den Performern als Gehäuse und hätten von dem Umstehenden noch intensiver "begriffen" werden können.

Seine Berge - Teile eines Vorarlberg-Panoramas, mit dem er den Ausverkauf der Alpen thematisiert - geben nach dem Brandakt nun ihr Geheimnis preis. Das Gerüst aus Metall, das eigentliche, graphische Innenleben dieser dreidimensionalen Malerei mit Papier, Lehm oder Farbe, wurde sichtbar. Die Aktion lief im Rahmen der von Oscar Sandner kuratierten Sommerausstellung "Medium Berge - Das Mallory Projekt" im Bregenzer Künstlerhaus. Schauplatz war der Tizian-Platz vor dem Kunsthaus.

Dort nahmen auch Julius Deutschbauer und Gerhard Spring Aufstellung, um ihre scheinbar zum Dialog gewordene "Bergpredigt" vorzutragen: "Dass der Teufel die Kunst hole! - Eher glauben wir noch, dass die Kunst sich den Teufel geholt hat" (O-Ton). Die pointierte Auseinandersetzung mit Kunstbetrieb, Politikerreden und den Banalitäten im Kunst- und Medienalltag lässt sich in der Ausstellung (dort liegen sicher noch Plakate auf) nachlesen.

Nachdem Bregenz gerade die Festspieleröffnung hinter sich gebracht hat, wäre es noch interessant gewesen, die beiden in jenen (Kultur-)Politikerrollen zu sehen, in die sie gelegentlich schlüpfen, um die österreichische Misere transparent zu machen.

Deutschbauer/Spring: Bergpredigt zum Kunstbetrieb.

Berge aus edlem Himalayapapier wurden verbrannt: Tone Fink und das Vergängliche. (Foto: VN/Dietrich)




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