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Verhaftung von Ai Weiwei: Zensur für das Internet

08.04.2011 | 15:01 |  (DiePresse.com)

China strich aus der Abschrift einer Pressekonferenz zur Verhaftung des Künstlers zehn von 18 Fragen – in diesen ging es um Ai Weiwei. Das Europäische Parlament fordert seine Freilassung.

China will eine Diskussion über die Festnahme des international bekannten Künstlers Ai Weiwei im Internet offenbar unterbinden. Das chinesische Außenministerium entfernte aus der offiziellen Abschrift einer Pressekonferenz alle Fragen, die sich auf Ai bezogen. Der Text wurde am Freitag auf der Website des Ministeriums veröffentlicht. Zehn von 18 Fragen in der Pressekonferenz vom Donnerstag drehten sich um Ai, der am Sonntag am Flughafen von Peking von Beamten abgeführt worden war und dessen Verbleib ungeklärt ist. Sie wurden nicht veröffentlicht.

Ministeriumssprecher Hong Lei hatte auf der Pressekonferenz erklärt, gegen Ai werde wegen "Wirtschaftsvergehen" ermittelt. Es gehe keinesfalls um die Meinungsfreiheit. Andere Länder hätten kein Recht, sich einzumischen.

Polizei interessiert sich für Buchführung

Die Polizei lud in den Tagen nach der Festnahme Freunde, Angehörige und Mitarbeiter Ais zu Gesprächen vor. Am Freitag gingen sie erneut in sein Atelier und wollten seine Buchführung einsehen, wie Assistenten Ais erklärten. Chinesische Behörden haben in der Vergangenheit wiederholt versucht, Kritiker zum Schweigen zu bringen, indem sie ihnen Steuervergehen oder Wirtschaftsstraftaten vorwarfen.

Das Europäische Parlament hat die chinesische Regierung zur Freilassung Ais aufgefordert. Die Abgeordneten verabschiedeten am Donnerstag in Straßburg eine Resolution, in der sie "das ungerechtfertigte und inakzeptable Festhalten" des Künstlers verurteilten und seine "unverzügliche und bedingungslose Freilassung" forderten. Die Parlamentarier riefen zudem EU-Außenministerin Catherine Ashton auf, in ihren Gesprächen mit chinesischen Vertretern weiterhin das Thema Menschenrechte anzusprechen.

Deutschland hatte die chinesische Regierung aufgefordert, den festgenommenen Künstler "umgehend" freizulassen. Ai, der enge Verbindungen nach Deutschland hat, wollte am 29. April in Berlin eine Ausstellung eröffnen.

Bestürzung im Joanneum

Bestürzt von der Verhaftung Ais ist auch das steirische Universalmuseum Joanneum. "Wir hoffen, dass die internationalen Proteste das chinesische Regime zum Einlenken bewegen und die Freilassung Ais bewirken werden", so Intendant Peter Pakesch. Ai Weiwei hatte zuletzt vor vier Jahren mit dem Universalmuseum Joanneum zusammengearbeitet. Für die Ausstellungen "Zeitenanfang" ab 21. Juni im Archäologiemuseum und "Vermessung der Welt" ab 10. Juni im Kunsthaus seien Projekte mit Ai Weiwei vorgesehen, so das Joanneum.

Der chinesische Künstler hatte in der Steiermark zuletzt 2010 mit einer Aktion im Rahmen der "Regionale" für internationales Aufsehen und Diskussionen gesorgt: Auf den 2995 Meter hohen Dachstein-Gipfel in der Obersteiermark war ein vier Tonnen schwerer Fels mittels Hubschrauber geflogen worden. Der Fels war aus der chinesischen Provinz Sichuan - wo er sich während des verheerenden Erdbebens 2008 gelöst hatte - nach Österreich gebracht worden.

Streit um "Bagatellisierung" der Verhaftung

Das Haus der Kunst in München krisierte die Zurückhaltung deutscher Museumsdirektoren zu Ais Verhaftung scharf. Der Hauptkurator des Hauses, Ulrich Wilmes, warf dem Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden "Bagatellisierung" vor. Martin Roth vom Kunstsammlungen Dresden hatte in einem Interview mit der "Zeit" unter anderem gesagt: "Es gibt Hunderte Künstler wie ihn, über die spricht aber keiner, weil sie keine Popstars sind."

Zwischen Ai und dem Haus der Kunst gibt es enge freundschaftliche Beziehungen. Im Oktober 2009 wurde dort die Ausstellung "Ai Weiwei - So sorry" eröffnet. "Wir versuchen, den Kontakt zu halten über Freunde und Vertraute", sagte der Kurator. "Aber auch da gibt es keine Nachrichten, die zur Hoffnung Anlass geben."


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