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Künstlerhaus: Arbeiten von Linde Waber

Wanderung vom Studiolo zum mobilen Arbeitsfeld

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!"Genius loci" ist der Titel von Bodo Hell, den er der Ausstellung von Atelierzeichnungen seiner Freundin Linde Waber zugeeignet hat. Der Untertitel "Hausbesuche 1982-2003" verrät dann mehr dazu, und die Schau im Erdgeschoss des Künstlerhauses (noch bis 27. Juli) birgt weitere Schichten eines Projekts, das primär eine gesellschaftliche Vernetzung darstellt und im Team mit Hilde Gard, Arno Grünberger, Heinrich Heuer, Bodo Hell, Renald Deppe, Evi Titze, Michaela Hirsch und Brigitta Höpler entstanden ist. Zu den aus hunderten Blättern ausgewählten 190 Beispielen von Interieurs der Arbeitspätze der KollegInnen, die zum Großteil ungerahmt in Blöcken hängen, sind in einem interessanten Gegenüber deren Werke präsentiert. Dabei scheut sie sich nicht, auch riesige Formate von Hannes Mlenek, Frohner, Weiler oder anderen zu hängen, denn ihre lavierten Tuschezeichnungen bewahren daneben den eigenständigen Charakter.
Linde Wabers Welt ist also eine kommunikative, eine nicht nur Ältere und ihre Generation, sondern auch jüngere KünstlerInnen umfassende, die eigentlich schon ein Querschnitt des kulturellen Lebens in Österreich darstellt. Deshalb liegt ihr auch an dem vielfältigen Begleitprogramm mit Lesungen, Modeschau, Konzerten, Führungen, Buch- und Filmpräsentationen samt Diskussion und Kochaktionen - begonnen haben Heinz Karl Gruber, Lotte Ingrisch, Elfriede Gerstl, Hilde Gard, Franzobel, Liesl Ujvary, Moucle Blackout, Dorit Magreiter u. a., im Juli folgten Lesungen von Friederike Mayröcker, es kommen noch eine Tanzmatinee (13. Juli), Soundlabors (16. u. 23. Juli), eine Haarskulptur wird von Erich an Ona B. kreirt (17. Juli), und bei der Finisage kommen noch einmal alle Initiatoren zusammen.
In den 20 Jahren von Wabers Tätigkeit quer durch die Ateliers von Wien und Niederösterreich (auch darüber hinaus), hat sich der Arbeitsplatz der KünstlerInnen dramatisch verändert: das Studiolo oder das immer wieder aufgesuchte "Schreibgehäuse" der Mayröcker ist zwar weiter vorhanden, die junge Generation ist allerdings mit tragbarem Computer längst unabhängig davon zum jederzeit mobilen Wanderer durch die Welten geworden. Außerdem sind viele der KollegInnen und Freunde verstorben: so Rita Furrer, Hubert Aratym, H. C. Artmann, Gottfried von Einem, Karl Anton Fleck, Johann Fruhmann, Hans Fronius, Christine Heuer, Kurt Ingerl, Ernst Jandl, György Sebestyén oder Zoltán Vér. Damit sind die festgehaltenen Orte ihres Arbeitsfeldes bereits Geschichte und für Linde Waber auch erinnerndes Abschiednehmen. Sie widmet den abwesenden FreundInnen einen eigenen Raum des Gedächtnisses, der aber ebenso laborhaft die verschiedenen Sparten und Kunstgattungen verbindet.
Besucher können nicht nur Einblick in Wabers persönlichen Umraum gewinnen, sondern auch in ihre Verbindungen, wobei die nahen Freundschaften gleich behandelt werden wie die Kurzbesuche. Daneben hat sie Statements gesammelt, die sich zum einen auf die Räume, zum anderen auf ihre Besuche beziehen. Gunter Damisch etwa sieht darin auch ethnologische Studien, als handle es sich um Kultplätze fremder Kulturen, Adi Frohner vergleicht Linde Wabers Blick mit der einer Gottesanbeterin, Hans Weigel sah sie als Biografin seines Zimmers und Dorit Magreiter spielt genau auf die Veränderungen der Ateliers wie der Gesellschaft an, die zu einer wichtigen Diskussion beitragen. Ein antikes Thema im aktuellen breit gestreuten Feld: zu diesem besonderen Treffer (der allerdings lang gehegt wurde) ist Linde Waber zu gratulieren. Das Künstlerhaus hat die Atelierbesuche in einem Buch (Mandelbaum Verlag) zusammengefasst, der zwar ohne Ausstellungseinblicke bleibt, doch die Blätter mit den Statements der Besuchten vereint.

Erschienen am: 08.07.2003

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