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Quer durch Galerien

Der Goldesel verdaut anders

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Sie sind ein spontaner Selfmade-Imperialist, der gern mal im Urlaub ein paar Quadratmeter Staatsgebiet mitgehen lässt? Dann können Sie das jetzt bequemer haben: mit der Staatsgrenze zum Selberkleben (einem Klebeband im Design der Grenzlinien auf Landkarten). Grenzkonflikte werden endlich gesittet ausgetragen zwischen Grenzklebern (Motto: Was liegt, das pickt) und "Grenzkletzlern" (Motto: denkste). Und wir könnten uns still und leise Südtirol zurückholen und müssten uns nicht länger auf die Zermürbungstaktik beschränken, Südtirol allabendlich in unseren Wetterbericht im Fernsehen miteinzubeziehen (Motto: Wir sagen so lange für Südtirol das Wetter an, bis ihr uns Südtirol wiedergebt).
Bis 4. August betreibt die "Erste Kärntner Kurzschlusshandlung" (mit soziokulturellen Scherzartikeln und mitunter revolutionär genialen Gebrauchsgegenständen mit Bekenntnischarakter) eine Filiale in Wien (IG Bildende Kunst, Gumpendorfer Straße Nr. 10-12). Natürlich verkaufen die auch Kurzschlüsse: ein Kabel mit einem Stecker an jedem Ende. Für den Haushalt, der schon alles hat.
"Tragbares Mahnmal für Sparpaketsopfer": eine verzinkte Gießkanne mit Totalschaden in einem maßgeschneiderten Sarg. Die Gießkanne ist ja mittlerweile eine gefährdete Art. Geht man recht in der Annahme, dass der Finanzminister die Gießkanne auf der Südosttangente aus dem fahrenden Dienstwagen geworfen und dann gewartet hat, was passiert (quasi die symbolische Entsorgung des Gießkannenprinzips)? Natürlich nicht.
"Ergänzungsbaukasten für Heldendenkmäler": vier täuschend echte vergoldete Scheißhaufen, dafür gedacht, sie dem Denkmal für den Kärntner Abwehrkampf in Klagenfurt aufzusetzen. Wie von einem (pardon!) "Wohlstands-Kacker", der damit angibt, wie viel er verdauen kann und wie viel Essen er sich folglich vorher hat leisten können (und wie viel Blattgold zum Vergolden). Oder als hätte jemand dem Goldesel den Münzprägestock aus dem Hintern ausgebaut und der würde jetzt nicht mehr auf kultiviert numismatische Art, also keine "Goldenen Philharmoniker" abkoten. Stilistisch würde ich das Opus in die Gegend von Cornelius Kolig einordnen. (Sein "Verdauungsstil" wäre es ja.) Geschmacklos, aber vom "Kärntner Abwehrkampf gegen Cornelius Kolig" her irgendwie verständlich.
Ich selbst schlage ja Operationsnähte-Tattoos vor, um sich als "Organspender" um die Ambulanzgebühr herumzudrücken und sich als total geplünderte Organbank präsentieren zu können. Der Blinddarm gilt zwar nicht, wäre aber der Vollständigkeit halber im Pauschalangebot inbegriffen.
Der Film "Good Night Vienna" (bis 4. August in der Galerie Cult, Bandgasse 19): eine gigantische Bettszene, die eine ganze Videokassette lang dauert. Freilich ist sie mit einem Damennachthemd und einer Herrenunterwäsche zensuriert (die Akteure sind bekleidet). Man mag Wolfgang Pavlik und seine Frau Antonella Anselmo als "Schlafanimateure" abtun, deren Tätigkeit (gnadenlos vor sich hinzuschlafen) den Zuschauer "chloroformiert". Durch die unbewusste Motorik ihrer Gliedmaßen ist ihnen aber eine Handlung geglückt, die sogar für Eheberater interessant wäre. (Zeig mir, wie du im Doppelbett schläfst und ich sage dir, wie du verheiratet bist.) Anfangs sind sie kreativ verschlungen (akrobatisches "Freistilschlafen"), am Ende kehren sie sich den Rücken zu. Und sie enttäuschen ohnedies nur noch die Erwartungen jener, die Warhols Langschläfer (sechseinhalb Stunden!) nicht kennen.

Erschienen am: 27.07.2001

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