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10.05.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Hubschrauber stellt Salzburg auf den Kopf
Jonathan Meese nimmt auch beim umstrittenen Festival "Kontracom" teil, ab Freitag in Salzburg.

Noch bevor Jonathan Meese seine großflächig bedruckten Verkleidungen im Salzburger Siegmundstor überhaupt erst anbringen konnte, wurde die Installation in lokalen Medien bereits als "Mülltunnel" abqualifiziert. Dabei ist der deutsche Künstler hier an der Salzach nicht einmal mehr ein Unbekannter: Bei den Festspielen 2004 stand seine Koproduktion mit Frank Castorf, "Kokain", auf der Perner-Insel am Programm.

Doch nicht nur Meeses Altstadt-Intervention für das am Freitag startende Festival für zeitgenössische Kunst "Kontracom", das heuer anlässlich des Mozartjahres erstmals stattfindet und im Zweijahresrhythmus weitergeführt werden soll, sorgte schon im Vorfeld für heftige Diskussionen. Kurator Max Hollein (Direktor von Schirn Kunsthalle und Städel Museum in Frankfurt), der seinen Part seit zwei Jahren vorbereitete, musste sich des öfteren dagegen verteidigen, die zehn Auftragswerke nicht besser vermittelt zu haben. Die von Tomas Zierhofer-Kin zusammengestellte Konzertreihe mit avantgardistischer Musik blieb dagegen weitgehend unumstritten.

Besonders starke Kritik rief der Plan der jungen italienischen Installations-Künstlerin Paola Pivi hervor, auf dem Mozartplatz, nahe dem Denkmal des Komponisten, einen auf den Rotorblättern liegenden Hubschrauber zu platzieren. Ein "surrealistisches Bild", das laut Hollein die "menschliche Sehnsucht und das Scheitern" verdeutlichen soll. Aus "genehmigungs-technischen Gründen" musste Pivi auf den Residenzplatz ausweichen.

Trotz Protesten an seinem vorgesehenen Ort bleibt die bis zu sechs Meter hohe Bretterwand, mit der Hans Schabus, Österreichs letztjähriger Biennale-Venedig-Vertreter, die Sicht vom Makartplatz auf den Mirabellplatz verstellen wird. Dadurch werden die die Salzburger "zu einer radikal veränderten Wahrnehmung" gezwungen, erklärt Hollein.

Insgesamt nehmen an "Kontracom" 80 Musiker und bildende Künstler teil, u. a. noch Markus Schinwald, Olaf Nicolai. Das Budget (1,35 Mill. Euro) wird von Altstadtverband, Stadt und Land Salzburg sowie privaten Sponsoren getragen. sp

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