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01.03.2006 - Kultur&Medien / Kultur News
Wer kriegt das Belvedere?
VON ALMUTH SPIEGLER
Das GroSSe Stechen. Husslein und Pakesch heißen die Finalisten. Ein Doppel-Porträt.

D
emut war ihre Stärke noch nie. Agnes Husslein, 1954 in die alt böhmische Adelsfamilie Arco hi neingeboren, hat in ihrer Karriere mit ihrer temperamentvollen Art schon immer polarisiert. Dabei begann alles ganz anders, am blanken Eis, wo sie mit 15 Jahren gemeinsam mit Partner Adrian Perco Staatsmeisterin im Eistanzen wurde. Gleich nach der Matura hatte sie die Kunst aber bereits gefangen, Husslein studierte Kunstgeschichte, verdiente erste Sporen im Dorotheum und dissertierte schließlich über ihren Großvater Boeckl. Es folgte ein erstes Jahr bei Sotheby's New York, 1981 eröffnete die Hundeliebhaberin dann die Österreich-Dependance im Palais Breuner. Fast 20 Jahre residierte sie dort, leitete zeitweise auch die Filialen Prag und Budapest, setzte sich in den 90ern als Direktorin der Guggenheim-Abteilung für europäische Entwicklung für das Hollein-Projekt in Salzburg ein.

Kurz vor dem Millenniumsjahr passierte ein Karriere-Bruch: Eine private Diskussionsveranstaltung mitten im Wahlkampf mit FP-Kandidat Prinzhorn sorgte dafür, dass sie Sotheby's verlassen musste. Dabei hat sich Husslein gegen ein Nahverhältnis zur FPÖ immer gewehrt. "Wenn ich zu einer Partei ein Naheverhältnis habe, dann zur ÖVP", zitiert sie 2004 das "profil". Und wirklich: Für Busek kandidierte sie für den Nationalrat, von 1995 bis 2001 saß sie für die Bürgerlichen als Kuratoriumsmitglied im ORF. Von 1996 bis 1998 fungierte sie allerdings auch als Vizepräsidentin des Kunstvereins Kärnten und richtete im Auftrag der Kärntner Landesregierung mehrere Ausstellungen aus, wie 2003 die Eröffnungsschau des Klagenfurter Moderne-Museum oder 2004 "Eremiten - Kosmopoliten. Moderne Malerei in Kärnten 1900-1955'. Teil zwei übrigens folgt von Mai bis Oktober 2007.

Als Nachfolgerin Peter Weiermairs wurde Husslein 2001 ans Rupertinum berufen. Obwohl ihr personalintensiver Führungsstil für Schlagzeilen sorgte, verwirklichte sie den neuen Museumsbau am Berg und sorgte für publicityträchtige Aktionen wie Gelatins "Arc de Triomphe" 2003 oder 2005 Robert Menasses inoffizielle Eröffnungsrede für die Salzburger Festspiele. Aus "familiären Gründen" bewarb sie sich nicht mehr. Heute ist wieder Wien ihr Mittelpunkt. Sie sitzt auch in der "Stiftung Leopold".

Anzug und Sportschuhe, Brille, graue Igel-Frisur und immer ein schelmisches Lächeln auf den Lippen. Das ist Peter Pakesch, 1955 geboren in eine angesehene Grazer Familie - der Großvater Präsident des steirischen Landtags, die Mutter Konzertpianistin, der Vater Psychiater und Psychoanalytiker. Das begonnene Architekturstudium in Graz verlor klar gegen seine Liebe zur Kunst, Pakesch wechselte nahtlos ins "Forum Stadtpark" als Leiter des Referats für bildende Kunst. Anfang der 80er zog es ihn nach New York, wo er an seinem Durchbruch als Künstler arbeitete. Er machte Fotografie, Installationen, Performances, Malerei, doch was fehlte, war Selbstvertrauen - am Tag, als er eine Ausstellung seiner Fotos in der Neuen Galerie Graz absagte, entschloss er sich, in Wien eine Galerie zu eröffnen.

Von 1981 bis 1993 leitete er diese dann an zwei Orten, in der Ballgasse und der Ungargasse. Von hier aus starteten österreichische Künstler wie West, Brandl, Rochenschaub und Zobernig ihre Karrieren. Doch Pakesch vernetzte auch, brachte Kippenberger und Sol Lewitt nach Österreich. Nach drei Jahren als Free Lance, in denen er Ausstellungen für die Prager Nationalgalerie organisierte, ging er 1996 nach Basel, um die Kunsthalle zu leiten. Als erfolgreichste Ausstellung dort nennt er heute "Raumkörper", stolz ist er auch darauf, die erste institutionelle Präsentation des heutigen Starkünstlers Olafur Eliasson ausgerichtet zu haben.

2003 kehrte Pakesch dorthin zurück, wohin er nie zurückkehren wollte, nach Graz. Gemeinsam mit Wolfgang Muchitsch leitet er das Landesmuseum Joanneum, richtete das Volkskundemuseum, die Alte Galerie und das Lapidarium in Eggenberg neu ein, brachte den "Friendly Alien", das Kunsthaus Graz, auf Schiene. Sein schlechtes Verhältnis zur Führungsriege der Neuen Galerie kann schon einmal zum Stadtgespräch ausarten. Kritik wird öfters auch an seinem Hang zu Künstlern seiner einstigen Galerie laut: Sol Lewitt etwa bespielte bereits das Kunsthaus. Und auch Liz Larner, die gerade mit Maria Lassnig zu sehen ist, und Albert Oehlen, mit dem er die am Freitag eröffnende Schau "Götter im Exil" hängt, fand man bereits in seinem Galerieprogramm.

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