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25.03.2002 - Ausstellung
Zwischen Abgrund und Untiefe
Margherita Spiluttini, einer der angesehensten Photographen zeitgenössischer Architektur, hat das Wiener Technische Museum eine hinreißend strenge Ausstellung gewidmet.
VON ALMUTH SPIEGLER


Hält sie, oder hält sie nicht. Mächtig ragt die steile Betonwand auf, gesteht auch dem erhobenen Blick nur einen schmalen Streifen Himmel zu, zieht den Betrachter magisch an und wirft ihn mit gewaltiger Wucht auf die eigene, im Vergleich verschwindend kleine Masse zurück - der Staudamm. Ein Kräftemessen der Gewalten, für den Laien rational meist nicht zu fassen. Distanziert hält Spiluttinis Kamera die grauen Wälle fest. Streng, bis ins kleinste Detail scharf. Ihr Bildausschnitt lenkt das Auge auf Spannungspunkte - die Verzahnung des Dammes mit der Felswand, eine beinahe amorphe Schwingung der Wandführung, den sonnig einladenden Pfad am schmalen Rand zwischen Abgrund und Untiefe.

Doch nicht nur Staudämmen ist das Werk der österreichischen Photographin Margherita Spiluttini gewidmet, sondern der vom Menschen manipulierten, baulich veränderten Landschaft. Wagemutige Brückenkonstruktionen, abenteuerlich an den Berghang geschmiegte Autobahnen, zerklüftete Steinbrüche findet man in Farbe oder Schwarzweiß präzise festgehalten. Eine Auswahl dieser Photographien ist derzeit im Wiener Technischen Museum zu sehen.

Bis zum Ende der Schau am 22. September wird zusätzlich bei freiem Eintritt ein ausgewähltes Begleitprogramm angeboten. Am 25. April diskutieren unter anderen die Photographin selbst, der Architekturtheoretiker Friedrich Achleitner und der Kulturhistoriker Wolfgang Kos über Architektur und Landschaft. Am 20. Juni folgt ein Vortrag von Rolf Sachsse, Phototheoretiker aus Bonn. Im September geht es dann um das Thema Steinbruch (es liest am 9. Ilse Aichinger), und am 19. macht eine Klanginstallation von Katharina Klement Beton auch akustisch erlebbar.



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