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17.01.2002 - Ausstellung
"Die Gewalt ist der Rand aller Dinge"
Die Generali Foundation in Wien zeigt eine spröde Schau über politisches Engagement in der Kunst.
VON ALMUTH SPIEGLER


Am Anfang war "Kunst und Militanz". Aus dieser Vorgabe entwickelten die beiden deutschen Künstler Alice Creischer und Andreas Siekmann, unter Eindruck der Proteste in Genua und Seattle sowie des 11. Septembers, die derzeitige Ausstellung in der Wiener Generali Foundation: "Die Gewalt ist der Rand aller Dinge".

Gemeinsam ist den vertretenen zwanzig Künstlern aus Europa, Argentinien und den USA ihr politisches Engagement und die Beschäftigung mit Macht bzw. Ohnmacht des Einzelnen in politischen Systemen. Interessant ist der Rückgriff auf historische Arbeiten, beginnend mit Photographien der Pariser Commune von 1871 - deren Aktionen, wie die Barrikaden in Pariser Straßen, sie dokumentieren.

Eine Leihgabe des Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums zeigt Arbeiten von Gerd Arntz, der seine gesichtslosen, schematisierten Figuren in Drucken und Holzschnitten wie auch in diversen Statistiken verwendete, die er 1930 gemeinsam mit Otto Neurath entwickelt hat.

Charlotte Posenenske (1939 bis 1985) beeindruckt mehr mit dem Statement bei ihrem Ausscheiden aus dem Kunstbetrieb 1968 (Kunst könne nicht zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen) als mit der hier ausgestellten minimalistischen Papp-Röhre.

Der Film "Journeys from Berlin" (1971) von Yvonne Rainer leitet mit der Konzentration auf das Individuum zur gegenwärtigen Kunst über. Hier stechen österreichische Junge heraus: die Bildhauerin Linda Bilda, die eine eigentümliche Plexiglasskulptur von Johanna von Orleans einem Haufen "Einwegwaffen" gegenüberstellt, und die Gruppe J.U.P, die sich 1998 aus der "Freien Klasse" der Wiener Angewandten bildete.

Mit einem Beitrag zur Ausstellungsgestaltung wurde das Berliner Architekturkollektiv "Freies Fach" beauftragt. Die Idee war, einen Backstage- und Bühnenbereich zu schaffen. Doch das Konzept ging nicht auf, die in die Halle eingezogene perforierte Metalltrennwand bleibt ohne Zusammenhang mit den ausgestellten Objekten.

Wer sich durch das Wort "Gewalt" im Titel Expressives erwartet, wird überrascht, oder auch enttäuscht - dominant sind Inhalt und Konzept. Der Untertitel läßt es ahnen: "Subjektverhältnisse, politische Militanz und künstlerische Vorgehensweisen". Wenigstens wird man nicht alleingelassen - geleitet von einem ausführlichen Reader überlebt man, leicht ermattet, auch diese ausgedörrte Theorie-Wüste.

Bis 21. April. Di. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr.



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