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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst | Documenta 11 
30.07.2002
13:06 MEZ
"noborderZONE" aufgelöst
Aktion der VolxTheaterKarawane abgebrochen

Wien - Eine spontane mediale Aktion der Gruppe VolxTheaterKarawane am documenta-Gelände wurde am Montag nach zwei Stunden vom Sicherheitschef der documenta 11 abgebrochen. Die Polizei zwang die Aktivisten zum Verlassen des Platzes neben dem Fridericianum. Die Gruppe hat Kassel bereits verlassen und ist auf dem Weg nach Wien.

"noborderZONE"

Die VolxTheaterKarawane traf gestern mittags am Friedrichsplatz in Kassel ein und errichtete neben dem Fridericianum eine "noborderZONE". Dabei produzierten die Aktivisten Live-Radio, verteilten Informationen, und führten Interviews mit Besuchern der documenta 11. Die Kundgebungen sollen nach Angaben der Aktivisten auf großes Interesse der Anwesenden gestoßen sein. Nach zwei Stunden forderte der Sicherheitschef der documenta 11 die Gruppe zum Verlassen des Geländes auf mit der Begründung, die Aktion sei nicht genehmigt und stelle außerdem ein Sicherheitsrisiko dar. Die dazu gekommene Polizei nahm Personalia der Aktivisten auf und zwang die Gruppe zum Verlassen des Platzes.

Zuviel Wasser

Christian Rattemeyer aus dem documenta-Büro meinte zu dem Vorfall, dass die documenta keinerlei inhaltliche, politische oder künstlerische Vorbehalte gegenüber der VolxTheaterKarawane habe. "Wir stehen der Gruppe durchaus freundschaftlich gegenüber", meinte er. "Sie haben sogar Gäste-Eintrittskarten für den Besuch der Ausstellung erhalten". Zwei Vorfälle hätten allerdings das Einschreiten des Sicherheitsdienstes erfordert. "Zunächst wollten zwei Leute ihre riesigen Wasserkanister auf den Toiletten der Ausstellungsräume auffüllen. Dazu müsste man quer durch die Hallen gehen, was mit solchen Behältnissen einfach nicht geht".

Der zweite Grund wog etwas schwerer. "Zwei ältere Damen sind vor dem Fridericianum mit Wasser aus Spielzeugpumpguns bespritzt worden, und waren pitschnass", sagte Rattemeyer. In der Folge habe der Sicherheitsbeauftragte eine gute Stunde lang mit den Aktivisten diskutiert, bis die auf dem Gelände stationierte Polizeiwache eingeschritten sei. "Es gibt täglich zahlreiche Aktionen vor dem Fridericianum, vom Jongleur bis zu sonstigen Künstler, wo wir nichts tun. Aber Wasser auf Gäste zu spritzen überspanne den Bogen des Tolerierbaren, meinte Rattemeyer.

Intention der VolkxheaterKarawane ist es, politische und künstlerische Systeme zu verbinden. Die "noborderZONE" ist das Folgeprojekt der "nobordertour 2001". Im Juli letzten Jahres waren während der Tour 15 österreichische Aktivisten in Genua nach dem von gewalttätigen Protestkundgebungen überschatteten G8-Gipfel von der italienischen Polizei verhaftet worden. Von 19. bis 28. Juli 2002 war die Gruppe in Strasbourg unterwegs, um dort aktionistische Kritik am "Schengen Informationssystem" und die europäische Politik ("Festung Europa") zu üben.

Bei der vorjährigen documenta Plattform 1 in Wien hatte die VolxTheaterKarawane das nomadische Theater- und Medienprojekt "noborder - nonation" vorgestellt. Einer der österreichischen Beiträge der documenta 11 beschäftigt sich mit der Gruppe: Die österreichische Künstlerin Lisl Ponger zeigt ihre Dokumentation der Orte der Karawane aus dem Vorjahr.

(APA)


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