Wüste und Eislandschaften im Augarten

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Im ältesten Barockgarten Wiens gibt es ab Mittwoch, 24. Oktober, Wüste und Eislandschaften: Das Zentrum für zeitgenössische Kunst der Österreichischen Galerie Belvedere zeigt im Atelier Augarten bis zum 24. 2. 2002 die Ausstellung "The Waste Land" über Ödlandschaften in der Fotografie. "Nicht zivilisierbare Landschaften", erläuterte Kurator Thomas Trummer bei der Pressepräsentation, und wie mit diesen künstlerisch umgegangen werden kann, gibt es außer auf Fotografien noch in Dia- und Videoinstallationen zu sehen.

Ausgangspunkt Robert Smithson

"The Spiral Jetty" des amerikanischen Künstlers Robert Smithson, ein in der Wüste von Utah gedrehter Film zum gleichnamigen Projekt, ist der Ausgangspunkt der Ausstellung. Smithson habe "die Geologie zu einer Art Universalwissenschaft erhoben" und mit ihrer Hilfe versucht, Aspekte des täglichen Lebens und der (auch künstlerischen) Erkenntnis zu erklären: Indem er "geologische Ideen auf erkenntnistheoretische Ideen" anwendet, finde er in Landschaften und in ihrer medialen Verarbeitung "phänomenologische Vorbilder für Strukturen des Bewussten", meinte Trummer.

Wüste und Eis

Die gezeigten Werke bieten ein breites Spektrum, von der künstlerischen Überhöhung der Erhabenheit bis zur puren Ironie, an Zugängen zur fotografischen Darstellung von Wüste und Eis: So lässt sich Roman Signer in seinem Video "Kajakfahrt in Snaefellsnesi" in einem roten Kajak sitzend über eine Landstraße in Island ziehen, bis der Boden des Kajaks abgerieben ist: Sedimentierung, Verwitterung im Zeitraffer.

Joachim Koester rekonstruiert eine Grönland-Expedition des schwedischen Forschers Nordenskjöld aus dem Jahre 1870. Satellitenaufnahmen (bei Olafur Eliassons "Cartographic Series") und perspektivisch verschobene Alpenaufnahmen (Walter Niedermayr) "verwandeln reale Landschaften in abstrakte Kompositionen".

Steinbruch als Wüste

Neben dem Erhabenen und der Kartografie, den "Zugangsweisen des 19. Jahrhunderts", nähert sich das 20. Jahrhundert den Ödlandschaften unter zwei neuen Aspekten: Der ökonomischen Verwertbarkeit und dem ökologischen Wert. Margherita Spiluttini zeigt mit ihren Fotografien (darunter ein als das Plakatmotiv der Ausstellung ausgewähltes Bild aus Bad Deutsch-Altenburg sowie Aufnahmen des Erzbergs), wie Steinbrüche Landschaft zur Wüste machen. Mit der sozialen Komponente der Wüsten, die immer Peripheriegebiete der Zivilisation sind, beschäftigen sich Lois Weinbergers am Stadtrand von Lissabon aufgenommene Aufnahmen der "sozialen Verwüstung".

Wiedereroberte Orte

Die Wiedereroberung von Orten der versuchten Zivilisierung der Wüste zeigen Jane und Louise Wilson mit einem Bild einer verfallenden Raketenabschussrampe in Kasachstan. Und die Wiedereroberung des Öden durch die Natur thematisiert Kaucylia Brookes Fotoserie "Burned...", die in dem durch einen Brand zerstörten Griffith Park in Los Angeles Spuren wieder aufkeimenden Lebens festhält. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erhältlich.

Tipp:
The Waste Land. Wüste und Eis. Ödlandschaften in der Fotografie". Atelier Augarten, 24. 10. bis 24. 2. 2002. Di - So 10.00 bis 17.00 Uhr.
Katalog: 216 Seiten zahlreiche Abbildungen, erschienen in der edition selene, ISBN 3-85266-174-9. Info unter Tel. (01) 79 557-134, mailto:public@belvedere.at
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