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Kunstberichte

Ein Brückenschlag zur Moderne

Die Albertina sichert sich die Sammlung Batliner und zeigt Arbeiten von Monet bis Picasso
Illustration
- Paul Klee: Gebannter Blitz (1927). Zu sehen ist diese Leihgabe der Sammlung Batliner im Rahmen der Ausstellung „Von Monet bis Picasso“.  Foto: VBK Wien, 2007

Paul Klee: Gebannter Blitz (1927). Zu sehen ist diese Leihgabe der Sammlung Batliner im Rahmen der Ausstellung „Von Monet bis Picasso“. Foto: VBK Wien, 2007

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der Coup ist perfekt und erklärt das Rumoren in der Wiener Museumslandschaft: Dem Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder ist es gelungen, seinem Haus die Sammlung von Herbert und Rita Batliner zu sichern.

Obwohl derzeit nur ein Teil der insgesamt 500 Leihgaben gemeinsam mit bereits vorhanden gewesenen Blättern des Hauses und mit Gemälden aus der Sammlung Mathias Forberg präsentiert werden, ist eines klar: In Wien gibt es nun genügend sensationelle Beispiele aus dem Bereich klassische Moderne zu sehen, nachdem sich die staatlichen Ankäufe in Grenzen hielten und wohl auch weiterhin halten werden.

Genau das war der Grund, aus dem sich der Liechtensteiner Anwalt Batliner, der seine Kanzlei unter dem Motto "Guter Rat ist teuer" führte, entschieden hat, seine Gemälde, Skulpturen und Grafiken umfassende Sammlung in der Albertina der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In der Sammlung Guggenheim wäre er nur einer von Vielen.

In der Albertina hingegen werden die "Seerosen" Claude Monets, die Porträts von Pablo Picasso und die Landschaften von Paul Klee, Emil Nolde oder Edvard Munch Mengen wenn nicht sogar Unmengen an Besuchern in die Ausstellung locken. Außerdem hat für Batliner, wie er sagt, auch die Sympathie eine Rolle gespielt: Der Sammler mag Wien und hat obendrein ein Faible für die österreichische Gegenwartskunst.

Der neue Kurs der Albertina

Die Sicherung der Sammlung Batliner ist nicht nur für Schröder ein großer persönlicher Erfolg und die Absicherung seines internationalen Rufes als Direktor; es wandelt sich auch die Albertina von einem Kompetenzzentrum für Grafik in die internationale Spitzenliga von Ausstellungshäusern.

Dabei kann und will sich Schröder nicht auf die Grafik beschränken. Sein Ziel ist es, seine Bestände an anderen Kunstgattungen zu messen. Diese enorme Erweiterung, die das Haus in eine längst angepeilte, jetzt aber auch konkretisierte Richtung führt, ist durch diese Sammlung auf höchstem Niveau untermauert. Und das bedeutet für Wien eine tiefgreifende Veränderung.

Der einzige Wermutstropfen ist vielleicht, dass die Dauerleihgabe an den Direktor, also an Schröder, gebunden ist und nicht an das Haus. Wechselt der Direktor, kann Batliner die Leihgabe zurückziehen. Doch Leihgabe ist eben nicht Schenkung.

Neben Monets "Seerosen" sollte übrigens ein noch späteres Bild seines Anwesens in Giverny 1925 nicht übersehen werden, das gilt auch für ein Meerlandschafts-Pastell Edgar Degas’, das neben den Tänzerinnen untergehen könnte.

Vom Impressionismus zum Expressionismus, vom "Blauen Reiter" in den russischen Konstruktivismus, vom Kubismus zum Surrealismus: Zu allen Strömungen der klassischen Moderne bietet die Sammlung Batliner bekannte, aber auch qualitätsvolle weniger bekannte Beispiele. Etwa Brücke-Künstler, Fauves und Nabis, aber auch seltene gegenstandslose Gemälde von Franti š ek Kupka, Skizzen zum Eiffelturmwandbild Robert Delaunays oder die mystischen Köpfe aus dem Spätwerk von Alexej von Jawlenski.

Große Namen und Überraschungen

Die beiden Stockwerke bieten aber auch für Freunde von Marc Chagall, René Magritte, Max Ernst, Oskar Schlemmer und Johannes Itten Überraschungen; von El Lissitzky gibt es ein Gemälde aus der Revolutionsserie "Proun", von Juan Gris eine "Komposition mit Violine" – und immer wieder Besonderheiten, etwa Pawel Filonow, Chaim Soutine, Francis Bacon.

Es blieb bei der Hängung nach "Ismen" natürlich auch die Chronologie, aber manchmal ergibt sich eine gewagte Mischung. Dafür sorgt nicht zuletzt auch die Verzahnung der Batliner-Sammlung mit anderen Beständen: 127 Werke der Sammlung Batliner (in den Bild-Beschriftungen stets als "Albertina. Dauerleihgabe der Sammlung Batliner" angeführt) stehen 116 Kunstwerke aus den eigenen Albertina-Beständen sowie 16 Stücke der ebenfalls übernommenen Sammlung Forberg gegenüber.

Die Auseinandersetzung mit der Sammlung Batliner ist mit der nun laufenden Ausstellung natürlich keineswegs abgeschlossen. Und man kann schon jetzt auf die Fortsetzung gespannt sein.

Von Monet bis Picasso

Die Sammlung Batliner

Albertina

(Tel.: 01/534 83-555)

Zu sehen bis 6. April 2008

Sensationell.

Donnerstag, 13. September 2007


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