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Blanca fährt nach Casablanca

Bregenzerwälder Anton Moosbrugger schafft in Egg einen skurrilen Bahnhof.

ARIANE GRABHER

Egg (VN) Aufgewachsen in Egg, unmittelbar neben dem ehemaligen Bahnhof der Bregenzerwaldbahn, beschäftigen Bahnhöfe und Züge den Bildhauer und Künstler Anton Moosbrugger seit Kindertagen. Mit seiner aktuellen Installation "Bahnhof Domizil" verwandelt Moosbrugger gleichenorts nun die Kleinkunstbühne des Egger Domizils in einen Bahnhof. Ebenso ernsthaft wie augenzwinkernd, papierleicht und bedeutungsschwer, präsentieren sich Moosbruggers Zugkompositionen zwischen Decke und Fussboden, leicht hin- und herflatternd.

Ergänzt werden sie durch weitere Waggons, setzkastenartig an der Wand platziert, sowie einen Sessel, der mehr Loch als Stuhl ist und den tiefsinnigen Titel "durchgesetzt" trägt.

Endstation Drama

Eine improvisiert wirkende Anzeigetafel hält unmögliche Abfahrtszeiten und noch skurrilere, im Literarischen und Psychologischen angesiedelte Zielorte wie "Drama", "Fiasko" oder "Farce" fest. Und auf dem Bahnsteig steht eine schmale, schwarze Gestalt in Wäldertracht, neben sich einen hölzernen Koffer.

Die bedrohliche Wirkung der Frau wird unvermittelt gebrochen durch die witzige Kofferetikette, auf der steht "Ich heiße Blanca - muss nach Casablanca". Kennt man den Künstler und seine Liebe zu Marokko, so bringt Moosbruggers Blanca ein autobiografisches Element ein.

Skizzenbuch

Gleich einem Skizzenbuch, zeigt sich der Papierbahnhof jedoch nicht als fertiges Werk, sondern mündet in ein längerfristig angelegtes Projekt. Das setzt auf die aktive Teilnahme der Besucher, denn in den illustren, bewusst unfertigen Papierzügen, sind noch jede Menge Plätze frei.

Diese können, gegen einen geringen Obolus als symbolischer Fahrpreis zugunsten eines Sozialhilfeprojektes, mit selbst gefertigten, austauschbaren Figuren versehen werden.

Ein Bahnhof ist Ort der Bewegung, auch der geistigen Bewegung. Vieles wird angerissen, auf Moosbruggers unverkennbare Art, mit leisem Humor, aber auch unverhohlener Ironie, voller Fingerzeige und sanfter Spitzen. Während hinten im bereits besetzten Zug Randale betrieben wird, schaut vorne der Papst in ein Abteil mit zwei Wälderfrauen, es gibt einen Waggon mit Giftmüll und Hinweise auf die Medienlandschaft fehlen ebenso wenig, wie Seitenblicke auf Wirtschaft, Politik und Kultur. Wenn Gut und Böse zusammen in einem Zug sitzen, der janusköpfige Esel zum Symboltier wird, dann sind die Weichen ganz im Sinne von Anton Moosbrugger gestellt. Abgefahren wird allerdings später . . .

Die Installation "Bahnhof Domizil" ist im Egger Domizil ca. ein Jahr lang zu sehen und wird sich in dieser Zeit stetig verändern und langsam vervollständigen.

ZUR PERSON

Künstler Anton Moosbrugger

Geboren: 1942 in Egg Ausbildung: Schnitzschule Elbigenalp, Akademie der bildenden Künste, Wien Laufbahn: Ausstellungen im In- und Ausland, Teilnahme an internationalen Symposien, Aufträge für Sakralräume Wohnort: Bregenz, Egg

Blick in ein Zugabteil: Anton Moosbrugger macht den Bahnhof zum Ort der Bewegung und Begegnung. (Foto: A. Grabher)




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