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Galerie Ulysses: Neue Bilder von Arnulf Rainer

Madonnen, Antiken und Landschaft im Farbschleier

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Wer das zornige Alterswerk eines rebellischen Auslöschers erwartet hat, wird mit den neuen Zyklen von Bildern aus den letzten beiden Jahren von Arnulf Rainer eines Besseren belehrt: Rainer hat nach seiner Krankheit und in der Ruhephase nach der Professur eine intensive Auseinandersetzung mit der Buntheit von Farbvaleurs und ihren Möglichkeiten transluizider Erscheinung begonnen, die - wäre da nicht der zu überarbeitende Untergrund - fast mit den Farbversuchen eines Richter in Zusammenhang gebracht werden könnten.
Aber der Künstler braucht nach wie vor das Vorbild, das Gegenüber, an dem er sich "reiben" kann und das seine malerischen Auseinandersetzungen erst auslöst, die letztlich mit dem Bildverbot und der Auslöschung aller Bilder durch die Mystik der Gottesschau nach Pseudo-Dionysius-Areopagita zu tun haben. Die davon abgeleitete "negative Theologie", die nicht mit dem Gegenteil von positiv, sondern mit dem Löschen von aus der Hybris des Menschen stammenden, uns ähnlichen Gottesbildern zu tun hat, ist geistiger Auslöser. Diese theologischen Spitzfindigkeiten in Bezug auf seine Malerei hat Rainer schon in frühen Jahren mit Monsignore Otto Mauer, seinem großen Entdecker und Gönner, diskutiert.
Die "Gegenbilder", über die Florian Steininger im begleitenden Katalog schreibt, haben nun die atmosphärische Gestaltung von Schleiern oder Vorhängen bekommen; zwar sind die Schwünge und Pinselzüge noch zum Teil mit körperlicher Vehemenz gezogen, bekommen aber auch etwas Ornamentales. Die Durchsichtigkeit und Vielfarbigkeit nimmt den neuen Bildern die früher so wichtige Intensität des Löschens; eine gewisse Eleganz und Schönheit wird nun gestattet, die "schwarzen Nächte" gehören der Vergangenheit an.
Ähnlich verändert geht es den fotografischen Unterlagen nach Kunstwerken der Antike, der Frührenaissance (Giotto u. a.), die zwar den Besen oder die Bürste - zumindest partiell - zu spüren bekommen; doch ist es mehr eine sanfte Berührung, ein Darüberstreichen geworden. Sanftheit ist im Zusammenhang mit dem heftigen und kritischen Charakter des Künstlers eine fast unglaubwürdige Komponente; es liegt dagegen auch eine Menge Melancholie und Trauer in diesen feinen Schichten aus Leimfarbe; fast eine Art Bedauern. Damit werden die verwendeten Vorlagen zuweilen hervorgehoben und durch die vorhanghafte Bearbeitung betont, statt, wie früher, durch Farblöschung zerstört zu werden: Das katholische Element der Bilderfreuden, das Lob der Sinnlichkeit im Irdischen, hat sich gegenüber dem protestantischen Wort durchgesetzt und die Frische dieser Werke ist enorm: gemalte Jungbrunnen.

Erschienen am: 17.06.2003

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