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06.02.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Galerie Hohenlohe: Rational - Galerie Curtze: Emotional

kunstraum

Schaumstoff, Styropor mitunter auch Federn. Eingeschweißt in Plexiglas und auf Metallgestellen positioniert, ergeben sie "Modelle für transaggregate Strukturen" (3500-9000 €). Dieser Titel will zerlegt werden. Denn der Claim, in dem sich Rudolf Polanszky damit bewegt, ist ein exakt umrissener: Ein Modell ist ein System, das dem Verstehen einer höheren Ordnung dient. Die Vorsilbe "trans" meint den Zustand des Übergangs. Als Aggregatzustände bezeichnen wir verschiedene, temperatur- und druckabhängige physikalische Zustände von Stoffen. Und Struktur signalisiert den Aufbau einer Sache oder eines Systems. Bei aller formalästhetischen Sperrigkeit, bei allem Anschein von spontaner materialbezogener Aktion - Polanszkys Arbeiten sind keine willkürlichen Dinganhäufungen wie uns schon der Titel vermittelt. Variabilität, Konstruktion sowie eine prozessorientierte Arbeitsweise sind diesen Werken eingeschrieben. Werken, die von abstrakter Malerei ebenso erzählen wie von Skulptur, von Aktion und davon, dass es keine feste Ordnung gibt. Alles ist immer im Wandel. Und diesen Zustand, das zeigt Polanszky, gilt es zu konservieren. (bis 24. 2., Bäckerstr. 3, Wien 1)

Galerie Curtze: Emotional

Für den "Thrilla in Manila", in dem Muhammad Ali Joe Frazier besiegte, standen 1975 Millionen von Zuschauern sogar nachts auf, um vor dem Fernseher mitzufiebern. Boxen ist Massenhysterie. Boxer werden zu lebenden Legenden. Und Boxen ist schon längst zum Gegenstand empirischer Studien avanciert, speziell in Amerika. Denn Boxen ist dort gerade für Teile der afro-amerikanischen Bevölkerung an die Hoffnung auf sozialen Aufstieg geknüpft. Über Boxen nachzudenken heißt auch über Körper nachdenken. Denn wie keine andere Sportart produziert Boxen den Mythos idealisierter Männlichkeit. Es sind die einsamen, schwitzenden Muskelkolosse, die dem Sport zu einer starken symbolischen Repräsentanz verhelfen. Die Fotoserie "Boxers" (1500-2500 €) der Amerikanerin Carol Huebner-Venezia entsteht im Wissen um diese metaphorischen Assoziationsfelder. Als teilnehmende Beobachtung lässt sich ihr Blick umschreiben. Fern jeglicher Mystifizierung erzählen ihre Aufnahmen nicht von aufgeheizten Kampfarenen, sind die Akteure nicht in Siegerposen dargestellt, sondern als verletzliche Individuen. Eine einfühlsame, psychologisch und sozial motivierte Dokumentation. (bis 3. 3., Seilerstätte 15/16, Wien 1) Manisha Jothady

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