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Kunstforum (BA & CA) Wien: Futurismus

Eine Performance zum Tod des Mondscheins

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Es ist klar, dass der Futurismus in Österreich noch keine große Ausstellung bekam: mündete er doch in seiner zweiten Phase direkt im ästhetischen Fundamentalismus des Faschismus und außerdem sind die Exponate der "heroisch"-klassischen Phase von zirka 1909 bis 1914 sehr schwer zu bekommen, viele Veranstaltungen waren zudem ephemere Performances. Die Schau des Kunstforums bis 29. Juni, kuratiert von Evelyn Benesch, unter dem Titel "Futurismus. Radikale Avantgarde" versucht daher die Breitenwirkung in allen Künsten als einen wesentlichen Aspekt herauszuheben und geht bis ins Jahr 1918, als in der Nachkriegszeit eine Spaltung zum einerseits dekorativ-fantastischen, andererseits politisch-nationalen Zweig des Futurismus passiert und von den freiwilligen Teilnehmern am Ersten Weltkrieg, Marinetti, Ratti, Boccioni, Russolo, Carrà, Sant'Elia und Sironi, nur mehr ein Teil heimkehrte.
Als eine Kunst, die den Anspruch stellte, eine neue Gesellschaft und Ästhetik zu finden, waren radikale Grundlagen aber von Anfang an gegeben: In Marinettis erstem Manifest 1909 kam die Absage an die alte Kunst mit dem berühmten Vergleich des schöneren Autodesigns im Vergleich zur Nike (von Samothrake): Technikbegeisterung und Dynamik der Massen und dem gegenüber aber auch die Angst vor der Maschine gingen einher mit neuen Mitteln der Verbreitung über Flugblätter, performative Kundgebungen auch zu neuer Musik, Film und avantgardistischem Theater ("Befreiung der Sprache"). Wesentliche Errungenschaften wie experimenteller Film und "Fotodynamismus" fanden aber erst nach 1945 Anerkennung; außer Balla und Marinetti galt den Futuristen die Fotografie noch nicht als Kunst.
Allerdings sind Vorbilder wie Muybridge und Mach bestimmend für den dynamischen Stil in Weiterentwicklung des Kubismus und der Abstraktion, die in den wichtigen Bildern "Die Revolte" von Russolo, "Das Lachen" von Bocconi oder "Das Begräbnis des Anarchisten Galli" von Carrà sichtbar sind. Boccionis "Modernes Idol" ist ein programmatisches Nachtstück, dies ist im Futurismus als Städteansichten häufig, obwohl Marinetti im 2. Manifest den "Tod des Mondscheins" propagiert hatte. Neben den Gemälden sind aber vor allem die Papierarbeiten mit Bildgedichten und Manifesten besonders breit vertreten und zeigen mit den Kostümen (Ballas "antineutraler Anzug"), den Skizzen zur utopischen Architektur Antonio Sant'Elias oder dem Lärmtöner (Intonarumori) Russolos, den Fotografien Giulios und Bragalias die Bandbreite dieser in Mailand beginnenden Strömung, die später nach Rom und Florenz wechselte.
1916 malte Mario Sironi (der mit Fortunato Depero und Prampolini schon zur zweiten Generation nach Marinetti, Balla, Boccioni, Severini u. a. zählte) seine kubofuturistische Allegorie "Der Krieg", Boccioni war durch einen Sturz vom Pferd noch im Krieg gefallen, nachdem er begonnen hatte, nach Cezanne zu malen; Carrà wandte sich mit De Chirico der "Pittura metafisica" zu und Mussolini begeisterte sich für das erste politische Parteimanifest der Bewegung 1918. Es ist eine breit angelegte Schau, die einige Ansprüche stellt, und auch der Katalog mit einer Gliederung in die verschiedenen Sparten ist übersichtlich gemacht. Ambivalenz bleibt auch am Ende: die "Tast-Tafel"-Collage von Marinetti 1920/21 lässt sich als Vorgeschmack auf die Assemblagen der Pop-Art (Rauschenberg) sehen.

Erschienen am: 21.05.2003

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