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Jenseits von Gut und Ikea



(cai) Oh, diese Installation erinnert mich an eine fast wahre Begebenheit. Ein Schiedsrichter, ein Finanzbeamter und ein Deutschlehrer sitzen im Zug. Plötzlich sehen sie draußen ein schwarzes Schaf. Moment: eins . . . zwei. Also ich zähl’ hier in diesem improvisierten Zugsabteil nur zwei Sitzplätze. Okay, dann fahren halt bloß ein Schiedsrichter und ein Deutschlehrer mit dem Zug. Übrigens durch Schottland. Sagt der Schiedsrichter, aufs schwarze Schaf deutend: "Jö, in Schottlandsind die Schafe alle schwarz!" Darauf der Deutschlehrer(so ein Haar-, nein: Beistrichspalter): "Äh, Sie haben sicher g’meint, dass es in Schottland mindestens ein Schaf gibt, das auf mindestens einer Seite schwarz ist."

Hm. Das soll wohl ein Witz sein. Ein Schäfchenzählerwitz. Wenn man am Griff da vorn zieht, der ja nicht die Notbremse ist, zerrt man jedenfalls ein Schaf vors Zugfenster. Gut, eh kein echtes. Nicht einmal ein schwarzes. Aber immerhin eine Schäfchenwolke. Aus Holz. Aha, in der Kunst gibt es mindestens eine Schäfchenwolke, die auf mindestens einer Seite weiß ist. Und eigentlich ist das Ganze gar kein Humorsimulator (kein Selbstbedienungsscherz), das ist ein Spielzeug. Linus Riepler hat nämlich mit brachialer Bastelgewalt ein paar Spielereien in die Krinzinger Parterre Gallery hineingebaut. Oder ist das eine Kraftkammer? Denn schon das Öffnen der Türen ist anstrengend. Und die Fernbedienung für die Musik besteht aus zwei Seilen. Damit zwingt man eine Holzlatte auszuzucken wie eine Axt (na ja, beinah, so ungefähr) und ein Saiteninstrument zu verprügeln. Im Zeitalter der Computerspiele ist diese handfeste Welt natürlich eine Provokation. Und die Romantik-Kulisse ist ziemlich banal, der Kitsch billig. Die heimwerkerische Inbrunst freilich, jenseits von Gut und Ikea, ist absolut bemerkenswert.

Krinzinger Parterre Gallery

(Seilerstätte 16), Linus Riepler, bis 29. Juli

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Gulliver im Wunderland

(cai) Sie sind schwarzweiß und bewegen sich nicht. Das ist aber auch schon alles, was die Collagen von Jakob Kolding mit einem Zebrastreifen gemeinsam haben. Origineller sind sie sowieso. Beim Zebrastreifen fragt man sich ja nicht einmal, ob er schwarz ist mit weißen Streifen oder weiß mit schwarzen Streifen. (Er ist schwarz mit weißen Streifen.) Wer ist eigentlich der komische Mann auf dem gigantischen Stuhl? Gulliver im Wunderland, wo die Zwerge gleich groß sind wie die Riesen? Nein. Der "Chairman". (Tja, das kommt davon, wenn man die Sprache wörtlich nimmt.) Kleine, surreale G’schichtln. Witzige Präzisionsarbeiten.

Galerie Martin Janda

(Eschenbachgasse 11), Jakob Kolding, bis 30. Juli

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr, Sa.: 11 - 15 Uhr




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