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Galerie Lindner: "Palmen und Platinen"

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Elektrosmog macht Musik

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Eines vorweg: Platinen sind nicht jene Zeitgenossinnen (quasi im Blondinenwitz-Jargon), denen so ganz besonders blonde, nämlich platinblonde Haare aus dem Hirn wachsen. Platinen sind selbstverständlich jene dünnen Platten, auf denen die elektronischen Bauteile befestigt werden. Folglich tragen Platinen auch keine Bikinis, und wenn eine Ausstellung "Palmen und Platinen" heißt (bis 6. Oktober in der Galerie Lindner, Schmalzhofgasse 13), dann hat das nichts mit Wasserstoffperoxyd am Strand zu tun. Schon mehr damit, wie man den Computer auf diametral entgegengesetzte Weisen benutzen kann.
Die heile Welt ist eine Oase in der Sandwüste: Doris Krüger hantiert am Computer mit alten Fotos so lange herum, bis sie unüberbietbare Palmenidyllen abseits der Zivilisation vor sich hat, also abseits des Internet-Anschlusses und der Handy-Sendemasten. Lauter kleine Gärten Eden sozusagen, noch bevor Adam und Eva die Chance bekommen haben, Abfall oder einen Anflug von Zivilisation zu produzieren (einfach weil sie da noch gar nicht auf der Welt sind). Wenn Krüger saubere, geradezu keimfreie Landschaften bastelt, wie sie sowieso nirgends vorkommen, sondern bestenfalls noch in der einen oder anderen Fata Morgana, und also die vorgefundene Natur "verbessert", tut sie im Grunde nichts anderes als die Lebensmittelbranche, die in den Käse gern einen künstlichen gelben Farbstoff hineinrührt, damit das Naturprodukt noch "natürlicher" aussieht.Krügers technisch perfekte Idyllen sind also gar nicht so harmlos naiv, sondern auf gekonnt hintergründige Weise zeitgemäß. Wie verlogen ist der Computer?
Während der Computer Doris Krügers Komplize bei der Stadtflucht ist, macht sich Hubert Blanz eher an seine Hardware heran. Und baut aus den Chips und anderen elektronischen Teilen eine sehr glaubwürdige Großstadt im Modellformat zusammen. Das globale Dorf ist eine Metropole mit einem Grundriss von 9 m². Im dicht verbauten Gebiet glaubt man futuristische, hypermoderne Architekturen zu entdecken, aber da und dort auch so etwas wie Gemeindebauten, und zwischendurch blitzen im Stadtbild klassizistische Tempel auf. Es ist mindestens originell, für die Informationsgesellschaft eine "digital city" aus den für die Datenübertragung unabdingbaren Bestandteilen zu errichten. Einen kongenialen Sound hat das dazugehörige Video, das Impressionen aus der "digitalen Stadt" zeigt. Klingt wie hörbar gemachter Elektrosmog. Kurz: Informationsgesellschaftsmusik.

Erschienen am: 02.10.2000

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