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Kunstberichte

Der Architekt aus Zentraleuropa

Boris Podrecca setzt in seinen Arbeiten auf klare Linien.  Foto: Atelier Podrecca

Boris Podrecca setzt in seinen Arbeiten auf klare Linien. Foto: Atelier Podrecca

Von Anton Silhan

Aufzählung Dass Architekt Boris Podrecca seinen Hauptwohnsitz und ein Büro in Wien hat, wissen wohl nur wenige.Schließlich arbeitet er seit jeher in mehreren Ländern. Zurzeit ist ihm eine Personale im Wiener Ringturm gewidmet.

Die Ausstellung im Ringturm zeigt die Vielseitigkeit des Architekten, der neben seinem Atelier in Wien auch welche in Stuttgart und Venedig unterhält. Projekte sind unter anderem in Belgrad mit dem Museum für Wissenschaft und Technik sowie in Neapel mit einer U-Bahn-Station in Arbeit.

Und in Turin ist bereits der Umbau des Bahnhofs Porta Susa gestartet, der zur Drehscheibe in der piemontesischen Hauptstadt werden soll. Die genannten Arbeiten sind auch als Modelle in der Schau im Ringturm zu sehen. Ebenso wie der Neubau der Landesdirektion der Wiener Städtischen und der Donau-Versicherung in Graz, der eben begonnen wurde, sowie sein Wiener Projekt der Haltestellen-Glasüberdachung neben dem Bahnhof Praterstern, das heuer realisiert wird.

Eines von Podreccas Großprojekten war der ein Jahrzehnt (1992 bis 2002) währende Umbau des Museums moderner Kunst im Palazzo Ca’ Pesaro am Canal Grande Venedigs. Zu seinen Klassikern, die architektonische Zeichen setzten, zählen kleinere Projekte, wie die Platzgestaltungen in Piran an der slowenischen Adria oder im friaulischen Städtchen Cormòns.

Weiter zurück liegen bereits Podreccas Arbeiten wie die Gestaltung der Fußgängerzone in Wien-Meidling, des Rathausplatzes in St. Pölten und des Hauptplatzes in Leoben. Auch die Gestaltung einer Brunnenanlage am Leipziger Platz in Wien-Brigittenau war ihm nicht zu gering. Podrecca, der in Wien seit einem halben Jahrhundert lebt, wurde hier nicht gerade mit Aufträgen überhäuft. Wenn er auch an der Planung des Millenium-Towers am Donau-Ufer beteiligt war. Mit dem einen oder anderen Projekt konnte er sich aber doch in die Wiener Stadtgeschichte einschreiben: der Ganztagsschule Dirmhirngasse in Wien-Liesing, dem Forschungszentrum des Instituts für Molekulare Biotechnologie oder dem modellhaften Sozialbau in Erlaa.

Wiener Architekturakzente

Akzente setzten auch sein slowenisches Studentenheim "Korotan" in Wien-Josefstadt und das Haus der Basler Versicherung am Donaukanal. Boris Podrecca, geboren 1940 in Belgrad als Sohn einer Serbin und eines Triestiners, wuchs in Zagreb und Triest auf; er studierte in Wien (bei Prof. Roland Rainer). Seit 1982 Gastprofessuren unter anderem in Paris, Lausanne, Venedig, London, Wien, Harvard, Ljubljana und Zagreb. Seit 1988 ist Podrecca ordentlicher Professor an der Universität Stuttgart.

Die "Vorarbeiten" für seine Ringturm-Ausstellung lieferte Podrecca übrigens selbst, hatte er doch die frühere Bankkassenhalle, die nun die Schau beherbergt, einst selbst umgestaltet.

Architektur im Ringturm

Boris Podrecca

bis 18. Jänner; Mo–Fr 9 bis 18 Uhr, Eintritt frei (Katalog: Verlag A. Pustet)

1010 Wien, Schottenring 30

Auch die Planung für das Museum für Wissenschaft und Technik in Belgrad ist in der Ausstellung zu sehen. Foto: apa/Atelier Podrecca

Mittwoch, 02. Jänner 2008

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