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10. September 2009
13:41 MESZ

paraflows.at


 
"paraflows"-Festival am Karlsplatz
Containerstadt für "digitale Kunst und Kulturen" und "Urban Hacking"

Wien - Eine Baucontainer-Stadt steht seit wenigen Tagen zwischen Karlskirche und Künstlerhaus. Doch diese kündigt keine Umgestaltung des Karlsplatzes an: Vielmehr beherbergen die 15 Baucontainer auf zwei Stockwerken die Ausstellung des diesjährigen "paraflows - Festival für digitale Kunst und Kulturen", das sich bis zum 20. September des "Urban Hacking" annimmt. Dies steht für Eingriffe in den öffentlichen Raum der Stadt und ist Thema vieler der Installationen in den Containern, die am Donnerstag der Presse präsentiert wurden.

Neben der Schau bietet das "paraflows"-Festival heuer ein Symposium (11. bis 13.9., RaumD im MuseumsQuartier), Überraschungsfilm-Matineen, das Figurentheater-Stück "Cakes in Lima" von Thomas Ballhausen und "Krach, der Roboter", der durch das Fast-Zerstören von Computerchips musiziert.

"Urban Hacking" nicht nur als "Vandalenakt"

Es geht um Verfremdungen des Alltags, um Neudefinition von Raum-Beherrschung und nicht zuletzt um den Umgang des Menschen mit seiner Umgebung. VALIE EXPORT etwa lässt auf Fotos Menschen kunstvoll in der Stadt herumliegen. Sebastian Neitsch und Jan Bernstein haben eine Art Mini-Rasenmäher gebastelt, der in öffentliche Wiesen automatisiert Botschaften einbrennen kann. Schindler-Stipendiat Rainer Prohaska erstellt einen Newsticker, wie man sie allüberall in U-Bahnen und Stationen sieht - nur diesmal mit absichtlich falschen Nachrichten. Die Schau soll laut Ausstellungs-Leiterin Judith Fegerl "Urban Hacking" nicht nur als negativen Eingriff in die Stadt, als "Vandalenakt" zeigen, als der es leicht missverstanden wird. So wäscht Bernhard Hosa in einem Video öffentliche Mistkübel, "Smell Graffiti" sorgt für überraschende Gerüche mitten in der Stadt.

Auch die Ausstellung selbst greift in die Stadtstruktur ein - nicht nur mit den Containern, der darauf applizierten LED-Wand und der mobilen Discoanlage, die das Areal beschallt. In einem der Container leben und arbeiten zwei Künstler während der Dauer der Ausstellung. Deren Lebensgeräusche werden in den Park übertragen, mit Lautsprechern, die auf Bäumen angebracht sind. "For the Birds" nennt sich die Installation von "tat ort", die den Karlsplatz zum Lebens-Ort macht.

Statement und Aussichtsplattform

Die anderen Arbeiten werden zumeist in Fotografien oder Videos in den Containern dokumentiert - die Künstler wurden darüber hinaus dazu angehalten, keine originalen Abzüge zu schicken, denn die "Container sind kein Museum", betonte Fegerl. Es war eine "Herausforderung", sich auf die Bespielung dieses öffentlichen Ortes einzustellen. Die Container-Installation selbst ist für Festival-Leiter Günther Friesinger ebenso ein "Statement". Denn die darin präsentierte Medienkunst mit starker Hinwendung zum Digitalen ist "in herkömmlichen Museen nicht vertreten". Die Schau hätte eigentlich bis 11. Oktober bleiben sollen, dafür hat das Festival bei "KÖR Kunst im öffentlichen Raum" um Förderung angesucht. Doch diese wurde abgelehnt. "Daher stellen wir mit digitalem Aktivismus dezidiert die Frage: Wem gehört der öffentliche Raum?", so Friesinger.

So werden also in den kommenden Tagen im Resselpark am Karlsplatz Menschen umfallen (dazu angestiftet von Künstlern Anna Witt) oder plötzlich Kochgeräusche aus den Bäumen erklingen. Auch Studenten der Hochschule Offenbach sind mit Arbeiten vertreten, etwa mit eingeschweißten Zetteln, auf denen "PRIVAT" steht. Damit lässt sich leicht öffentlicher Raum besetzen, erläutern die Studenten. Auch die Container-Installation eröffnet einen neuen Blick auf das Zentrum der Stadt: Über ein Stiegen-Gerüst ist eine Aussichtsplattform zu erklimmen, zwei Stockwerke über dem Karlsplatz. (APA)

 

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