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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
24. Februar 2006
14:56 MEZ
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Museum der Moderne 
"un-tiefen" im Rupertinum
Umfassende Werkschau des Malers Hubert Scheibl

Salzburg - "Nichts versklavt so sehr wie die Schönheit", so der Gmunder Maler Hubert Scheibl bei einer Pressekonferenz. Das Salzburger Museum der Moderne zeigt im Rupertinum ab Samstag eine umfassende Werkschau des 53-jährigen Künstlers. Unter dem Titel "un-tiefen" ist die Ausstellung in Werkgruppen wie großflächige Malerei, Grafiken und collagenartig übermalte Fotos gegliedert.

Kuratorin Margit Zuckriegl sprach von "Unwegbarkeiten des Kosmischen" und der Künstler selbst sagte im APA-Gespräch, es sei ihm in einer Reihe von Collagen, in denen er Fotos übermalt habe, vor allem um augenzwinkernde Ironie gegangen. "Man muss sich immer selbst hinterfragen, um die Grenzen zu verschieben. Manchmal mache ich mich auch über das romantische Bedürfnis nach Beziehungen der Dinge zueinander lustig. In der Collage 'Psychnautiker' etwa passen die verschiedenen Bildebenen eigentlich überhaupt nicht zusammen. Aber ohne intuitive Anarchie geht meine Kunst nicht."

Ironie und Angst

Auf den bis zu 400 mal 220 Zentimeter großen Ölbildern Scheibls sind naturalistische und zugleich abstrakte Farbexperimente zu sehen, in denen sich der Künstler spielerisch mit Landschaften auseinander setzt. Diese visionären Landschaften bricht, ergänzt und konterkariert er durch gegenständliche Abbildungen wie menschliche Augen, Insekten, Affen, Statuen oder Röntgenbilder des eigenen Körpers. Trotz der Abneigung Scheibls, der als einer der wichtigsten Protagonisten der "Neuen Malerei" in Österreich gilt, gegenüber der "versklavenden Schönheit" ist das gesamte Werke dieses Künstlers von einer rauen Farb-Ästhetik geprägt.

Neben der Ironie spielt die Angst eine Rolle in Scheibls Arbeiten. "Ich will meine Angst nicht verbalisieren, das ist intim und privat. Aber sie ist eine legitime Lesart für viele meiner Arbeiten. Wichtig ist zudem die kollektive Angst, die in abgelegenen Keller-Regionen unserer Seelen lagert und trotzdem präsent ist."

Die Arbeiten Scheibls sind zur Zeit nicht nur im Rupertinum, sondern auch in der Galerie Ropac zu sehen, die den Künstler vertritt, den Katalog mitfinanziert hat und Bilder an das Museum verliehen hat. (APA)


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