Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

"Bewegen uns auf die Gegenwart zu"

Ingried Brugger, Direktorin des BA-CA Kunstforums, über ihr Jahresprogramm und ihre Belvedere-Bewerbung
Wer schlüpft in die Schuhe des Leiters der Galerie Belvedere? Ingried Brugger bewirbt sich – und zeigt in der Schau „Superstars“ zugleich „Prada Shoes“.  Foto: Art & Public

Wer schlüpft in die Schuhe des Leiters der Galerie Belvedere? Ingried Brugger bewirbt sich – und zeigt in der Schau „Superstars“ zugleich „Prada Shoes“. Foto: Art & Public

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Ingried Brugger über ihre Kandidatur
Aufzählung Kunstforum zeigt Chagall als Highlight.

"Wiener Zeitung": Wo steht das Kunstforum heute in der breit gefächerten Wiener Ausstellungslandschaft?

Ingried Brugger: Wir haben in den letzten Jahren im dichten Umfeld konkurrierender Häuser klar Position bezogen. Wir bedienen zum einen konsequent das Interesse unseres Publikums an der klassischen Moderne, zum anderen gibt es Personalen von Künstlern, die nach 1945 geboren sind, aber auch große Themenausstellungen wie jetzt die "Superstars", mit denen wir uns auf die Gegenwart zu bewegen. Und für eine junge internationale Kunst gibt es jetzt den "Tresor".

Die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Wien kam für viele überraschend, sind weitere Kooperationen mit internationalen Museen geplant?

Die Kooperation ist ja eine von vielen. Wir haben zuletzt "Tamara de Lempicka" mit der Royal Academy, London, realisiert, "Magritte" war eine Kooperation mit der Sammlung Beyeler in Basel, Willem de Kooning haben wir nach Rotterdam weitergegeben. Unsere Ausstellungen sind fast immer Eigenproduktionen, für die wir jedes Bild einzeln erkämpfen müssen, weil wir keine eigene Sammlung, dafür aber gute Ideen und internationales Renommee anzubieten haben. Das macht die Arbeit nicht einfach, aber spannend.

Welche Projekte bringt das Jahr 2006?

Ab Anfang März mit "Verrückte Liebe" eine Surrealismusschau von Dali bis Bacon. Die wenig bekannte Privatsammlung Pietzsch bringt Klassiker wie Max Ernst, Hans Arp, die surrealen Phasen im Werk von Miró und Picasso, Giacometti. Auch die Wurzeln eines Jackson Pollock im europäischen Surrealismus sind ein spannender Teil.

Im Herbst folgt die Personale von Markus Lüpertz. Das Highlight ab 16. November ist eine besondere Schau von Marc Chagall.

Wie unterscheidet sich diese von vorhergehenden Wiener Chagall-Ausstellungen?

Wir zeigen Chagall nur bis 1922, seinen genuinen Beitrag zur klassischen Moderne mit über 100 Arbeiten, die aus namhaften russischen Museen kommen. Aber auch noch nie Gezeigtes aus Privatbesitz, um Leihgaben aus westlichen Museen, etwa dem Guggenheim, erweitert. Die Wandteile des Jüdischen Theaters in Moskau werden dabei sein. Und Chagall soll auch als Mensch vorgestellt werden, mit den Möbeln seines Salons oder einem Teeservice, das er für seine erste Liebe bemalt hat.

Sie haben sich für die Direktion der Österreichische Galerie beworben, welche Vorstellungen verbinden Sie mit dieser Aufgabe?

Es wäre mir ein Anlie gen, das Kompetenzzentrum österreichischer Kunst durch internationalen Kontext zu schärfen. Dadurch kann man die Kunst Österreichs so präsentieren, dass es das Land stolz macht.

Wie denken Sie über das 20er Haus?

Es muss unbedingt versucht werden, ein Vollmuseum daraus zu machen. Im Sinne seines Gründers Werner Hofmann sollte höchster wissenschaftlicher Anspruch mit Sammeln und Ausstellungsqualität verbunden werden. Dann wäre es wieder d a s Zentrum für Forschung und Kunst Österreichs.

Ingried Brugger leitet das BA-CA Kunstforum seit 1. Juli 2000, folgte damit Klaus Albrecht Schröder nach, ihrem heutigen Ex-Mann. 1998 trat sie als Kuratorin in das Kunstforum ein. Sie studierte Germanistik, Kunstgeschichte, Architektur.

Freitag, 24. Februar 2006


Wiener Zeitung · 1040 Wien, Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Mail: online@wienerzeitung.at