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Galerien in Wien: Ein Echo im Kopf, das Begehren verheißt

22.10.2008 | 18:23 | MANISHA JOTHADY (Die Presse)

Hans Schabus schafft in der Engholm Engelhorn Galerie ein Geflecht aus Sehnsucht.

Es war einer der eindrucksvollsten Biennalebeiträge, die in Venedig 2003 zu sehen waren: Hans Schabus' Umbau des österreichischen Pavillons in ein von innen begehbares Gebirgsmassiv. Dass es gerade ein Berg war, den er in der Lagunenstadt aufzog, wurde durchaus als ironischer Seitenhieb auf den alpenländischen Nationalstolz verstanden. „Echo“ titelt nun ein aus Alu gefertigter Schriftzug an der Wand der Engholm Engelhorn Galerie. In ihm klingen jene Projekte nach, in denen Schabus auch nach Venedig das Gebirge thematisierte. Den Lettern haftet etwas Nostalgisches an, so rund und geschwungen wie sie sind, fühlt man sich an den Abspann alter Filme erinnert.

Überhaupt steckt seine aktuelle Ausstellung voller Verweise auf Vorangegangenes: Eine Holztür, sich am Boden raupenartig aufbäumend, war Teil einer Installation, die Schabus 2007 in den USA zeigte. Eine Referenz auf eine frühere Arbeit stellt auch „Übrig geblieben“ dar: Restbestände einer nach Farben sortierten Briefmarkensammlung, säuberlich geordnet hinter Glas, allerdings mit der blanken Seite nach außen.


Ein Schemel mit Aura

„Verlangen und Begehren“ nennt Schabus die Schau. Er zeigt eine Tür, die sich nicht öffnen, nicht verschließen lässt, die nirgendwo hinführt. Er zeigt Briefmarken, deren Prägungen wir nicht bewundern können und ein Echo, das nur im Kopf, in der Erinnerung widerklingt. Und er lässt uns durch ein Fenster mit zerbrochener Scheibe blicken, doch der Blick trifft nur auf die dahinterliegende Galeriewand. Mit wenigen Versatzstücken schafft Schabus ein Geflecht, das uns zwischen Sehnsucht und Unerfülltheit schwanken lässt. In diesem Arrangement scheinen die Dinge ein Eigenleben zu entfalten wie der aus Baumstamm und Ästen gezimmerte Schemel, der von der Decke hängt. Ein verstorbener Kärntner Bildhauer soll bei der Arbeit jahrelang auf ihm gesessen haben – ein Objekt, das vom Künstlersein erzählt.

(bis 4.11., Schleifmühlgasse 3, Wien 4).


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