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Quer durch Galerien: Galerie Wolfrum

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Ein Busen regelt den Verkehr

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Rudolf Hausner mag mit seinem Ödipuskomplex ja fertig geworden sein, indem er dann halt mit seiner Anima lebenslänglich eine Affäre hatte (grob gesprochen). Wobei ihm Freud das als Alternative zur "Mutterliebe" vielleicht nicht hätte durchgehen lassen. Ernst Fuchs dürfte es da gleich anders angestellt haben: Er setzt einfach alle Männer auf Nulldiät oder kreuzigt sie und macht die, die noch übrig sind, zu bibelfesten asketischen Einsiedlern. Und im Gegenzug mästet er die Frauen mit Östrogen.
Genauso sieht es jedenfalls auch in seinen Grafiken aus, die gemeinsam mit dem frühen druckgrafischen Werk der anderen "Wiener Phantasten" noch bis 9. September in der Galerie Wolfrum (Augustinerstraße 10) hängen. Die "Gspaßlaberln" seiner mütterlich üppigen Esther stehen rechts und links dermaßen resolut ab: Wenn sie sich damit mitten auf eine Kreuzung stellt, könnte sie schon den Verkehr regeln (und bräuchte nicht einmal ihre Arme zu Hilfe zu nehmen). Eine so überwältigende Weiblichkeit aber allein mit zarten Pünktchen zu bewältigen (also mit viel Feingefühl die Radierplatte zu piksen), dazu muss man schon ein brillanter Techniker sein. Wie ja überhaupt die "Wiener Lehrer und Schüler des Phantastischen Realismus" die "Realitätsflucht" auf ihren Blättern üblicherweise mit altmeisterlicher Exaktheit betrieben.
Neben Hausner, Fuchs, Brauer, Lehmden und Hutter finden sich auch Arbeiten von unbekannteren "Fantasten" (unterschiedlicher Qualität). Richard Matouschek (ein Guter): Wenn der Marquis de Sade, Hieronymus Bosch und Arcimboldo gemeinsam eine Orgie aushecken würden und nur Menschenfleisch als Ausgangsmaterial zur Verfügung stünde, könnte es nicht viel anders aussehen. Von Charles Lipka (auch ein Guter): eine Pflanze von exzentrisch elegantem Wuchs (womöglich das botanische Pendant zu Audrey Hepburn als Eliza Doolittle in Ascot). Von Bernhard Grisel (mir zu jugendstilartig süßlich): so etwas wie eine "Wenn Lolita eine Lesbe gewesen wäre"-Fantasie.
Im Keller wird in den "Big Apple" gebissen, sprich: New York gehuldigt, jener Stadt, wo King Kong weitaus schwindelfreier sein musste, als er es bei uns nötig gehabt hätte. King Kong (sozusagen der Reinhold Messner von N. Y.) hat das Empire State Building aber wahrscheinlich nicht mit dem Himalaja verwechselt (und die blonde Fay Wray mit dem Yeti), sondern wohl einfach nur für einen Baum gehalten. Auch Kokoschka ist der berühmte Wolkenkratzer nicht entgangen, der bei ihm so energisch heraussticht, dass man im Viagra-Zeitalter instinktiv eine Assoziation hat.
Bei Gottfried Salzmann, einem der begnadetsten Aquarellisten hierzulande, sieht man New York quasi vor lauter Hochhäusern nicht. Da hat der Salzmann wohl ein bisschen nachgeholfen (nach der Wurstverkäuferinnendevise "Darf's ein bisserl mehr sein?"). Herwig Zens (mein Lieblingszeichner) hat seinem New York einen Schuss Gotham City beigemengt (soll heißen: eine düster abgründige Atmosphäre). Und Eva Tauchens "Light Performance Object" für visuelle Hedonisten ist bunt wie der Broadway in der Nacht und hat den Stromverbrauch eines Christbaums. Ihre Freiheitsstatue ist eine Art Go-go-Girl, das eine Lichterkette geschluckt hat (eine solche ist nämlich hinter dem Bild montiert). Sehr empfehlen kann ich Franz Zadrazils in einer unendlichen Skala von exakten Tonstufen gemalte Unterseite einer Brücke (gewissermaßen N. Y. aus der Obdachlosenperspektive).

Erschienen am: 01.09.2000

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