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Kunstberichte

Unscharfes im Parlament

Ausstellung
Illustration
- Johanna Kandls Betriebsbesichtigung im Mega-bauMax Wien-Stadlau.  Foto: Mike Ranz

Johanna Kandls Betriebsbesichtigung im Mega-bauMax Wien-Stadlau. Foto: Mike Ranz

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Peter Pakesch, Intendant des Landesmuseums Joanneum in Graz, ist zwar nicht Direktor im Wiener Belvedere geworden, dafür aber Kurator im Parlament. Im Rhythmus von etwa einem halben Jahr werden in den Sitzungssälen, im Besucherzentrum und in der zentralen Garderobe Werke von bereits etablierten Künstlern präsentiert. Diese Gemälde, Objekte, Fotografien und Zeichnungen können bis September nicht nur im Rahmen von Führungen oder während der Plenartage nach Anmeldung besichtigt werden – sie geben auch für die Politik eine Diskussionsgrundlage darüber, was Kunst zeitgenössisch macht. Eine Broschüre der Parlamentsdirektion bietet bebildert, mit Kurztext und Biografien wertvolle Informationen.

Von zwei Künstlerinnen wurde bereits Werke angekauft: Eva Schlegels Porträts und ganzfigurige Lambaprints "unscharfer Frauen" hängen im Besucherzentrum und als interessanter Blickfang einer Achse am Gang. Johanna Kandls Eitemperabild zu einer vorangegangenen Betriebsbesichtigung in einem Mega-Baumarkt in Stadlau ist als bekanntes Thema Politikern bereits aufgefallen. Es wurde aus der Margarethe Lupac-Stiftung angekauft.

Eine besonders sensible Zeichnerin ist Adriana Czernin, die ihre Figuren mit Hilfe von komplexen, meist floralen Ornamentschichten fast unsichtbar macht. Eine Welt zwischen blühendem Garten und bizarr verdrehten Körpern, eingefangen mit Farbstift.

Maja Vukoje, Eisler-Preisträgerin des Vorjahres, vereint in ihrer Malerei nicht nur Materialien, sondern mischt auch Medienbilder mit surreal-romantischen Elementen. Von Erwin Wurm sind drei Fotografien einer neuen Serie zu den One Minute Sculptures zu sehen, die im Grazer Kongresszentrum entstanden sind. Die ironische Auslotung zwischen Modellen, Raum und scheinbar aufgehobener Schwerkraft ist auch in den "Indoor Sculptures" wichtig und der Erfinder eines neuen plastischen Denkbegriffs steht gleich selbst am Kopf – an eine Säule gelehnt.

Herbert Brandls schwarzweiße Ölbildserie in 16 Teilen, eine Dauerleihgabe der Sammlung Essl, hängt als etwas entrückter Fries in der zentralen Garderobe. Die Werke stammen, sofern nicht anders genannt, aus den Galerien Hofstätter, Janda, Krinzinger und Krobath-Wimmer.

Parlament: Plenarsäle, Besucherzentrum

Bis September

Kurator: Peter Pakesch

Sehschule.

Freitag, 05. Mai 2006


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