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Quer durch Galerien: Galerie Alte Schmiede, Galerie V & V

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Genickstarre ist ansteckend

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Nein, alle Österreicher schauen nicht in den Himmel, weil irgendein Hans-Guck-in-die-Luft-Komplex durch Tröpfcheninfektion übertragbar ist, und es veranstalten hier auch nicht alle Menschen, die an Genickstarre leiden, eine Völkerwanderung. Die Fotos wurden einfach nur während der letzten Sonnenfinsternis gemacht.
Der Fotoapparat von Armin Bardel ist ein Allesfresser. In Prag hat er eine Frau "geschluckt", die offenbar ihr Bestes gibt, um im Gesicht wie ein Charakterkopf von Franz Xaver Messerschmidt (oder gleich wie Arnulf Rainer) auszusehen, und eine stinknormale Baustelle hat er in Berlin gefressen, der amtierenden Hauptstadt des europäischen Bauschutts (wobei sich ja schön langsam der Verdacht aufdrängt, dass alle Baustellen, die sich in Berlin erledigt haben, nach Wien ausgewandert sind). Jetzt hat man Bardels Kamera wieder einmal "den Magen ausgepumpt" und den Inhalt in der Galerie der "Alten Schmiede" (Schönlaterngasse 7a) verteilt. Bis 31. August.
Titel der Schau: "Anacalypse" (Wieder-Verhüllung). Da hängen brillante neben miserablen Fotos und hochtrabende Motive neben banalen. Kurz: Da hängt das Leben. Bardel wechselt geschickt zwischen schwarzweiß und Farbe und hat einen Hang zum Metaphorischen. Ein "erschossenes" Karussell in Georgien zeigt ausdrucksstark das Phänomen Krieg.
Armin Bardel dürfte ein praktizierender "Gut-Österreicher" sein, der sich an der Grenze womöglich als "unbedenklicher Alpenrepublikaner" ausweist (mit der "mascherlkritischen" Passhülle, die die Aufschrift trägt: "Ich habe unsere Regierung nicht gewählt"). Jedenfalls nach seinem Foto zur Lage der Nation zu urteilen (Titel: "Land der Träumer"), wo die rot-weiß-rote Fahne im Prater neben dem "Imperator" flattert, einer Rummelplatzattraktion, die sich gut als Mageninhaltszentrifuge gebrauchen lässt und mit der ein einfaches Parteimitglied gemeint sein muss. Auch Kunst hat Bardel aufgeschnappt, etwa den extremschmalen Gang von Bruce Nauman, für den gilt: Je dicker die Leute, die durchgehen, desto mehr Klaustrophobie können sie konsumieren (weil sie früher oder später stecken bleiben).
Das Rad ist nun also schon erfunden worden (da ist nichts mehr zu machen). Angela Hübel (bis 26. August in der Galerie V&V, Bauernmarkt 19) hat jetzt aber immerhin den Ring neu erfunden. Ob man die Perle nun innen trägt oder ein und derselbe Ring gleich zwei Ringgrößen auf einmal hat: Hübel weiß mit immer neuen originellen Formen zu überraschen. Außergewöhnlich sind ihre "Zwischenfingerringe", wo sich etwa zwei Halbmonde über zwei benachbarte Fingerzwischenräume legen (weil die Ringform oben aufgebrochen ist und an den nun offenen Enden Mondsicheln hängen).
Margeriten oder ein Löwenzahn, in dem ein Mini-Tornado "umrührt": Sophia Epp geht mit einer "Präzision der Güteklasse A" ans Werk. Ungefähr so hätte wohl auch Dädalus, der begnadete Ingenieur, Blumen geschmiedet. Dass seine Statuen so lebensecht ausgesehen haben sollen, dass man sie festbinden musste, damit sie nicht plötzlich wegrennen, heißt freilich nicht zwangsläufig, dass man Epps Blumen nur am Duften hindern kann, wenn man sie mit "Fébrèze" einsprüht.

Erschienen am: 04.08.2000

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