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Burgenländische Landesgalerie: Peter Pongratz

Reservate für Kopffüßler

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Debattieren Sie mit!Im Rückblick auf ein Werk, das seit den späten sechziger Jahren darum bemüht ist, die letzten Reservate der Kunst der Kinder, Geisteskranken und Naturvölker als ernsthaftestes Anliegen des 20. Jahrhunderts zu etablieren, kann Peter Pongratz auch als Vertreter antifaschistischer und feministischer Anliegen gesehen werden. Sein Kampf gegen die heroische männliche Künstlerfigur, frei von jedem Verdacht, das Erhabene als Thema weiterhin mit dem Geniebegriff von Nietzsche und Wagner zu verbinden, ist seit seinen Tagen im Grazer Forum Stadtpark ungebrochen. Damals war "Pongo" auch ein literarischer Part in Wolfgang Bauers Kult-Stück "Magic Afternoon" gewidmet, und auch sein Freund Peter Handke schrieb immer wieder Texte für ihn und kaufte seine Kitsch-Ikone "Schutzengel", ein Manifest der verschwundenen Hochkunst in Zeiten der Pop-Art.
Nun zeigt der Künstler bis 15. September in den schönen Stallungen des Schlosses Esterházy in Eisenstadt, die für die Burgenländische Landesgalerie adaptiert wurden, Werke, die von 1986 bis 2002 entstanden sind. Sie fügen sich in Gruppen, die inhaltlich mit den Titeln "Jump for joy" (auch der Titel der ganzen Schau), "Get mad" oder "Das Herz der Finsternis" verbunden sind.
"Jump for joy" ist Springern gewidmet, die zähnefletschend und haarsträubend nicht das Glück, sondern die Last des Lebens widerspiegeln. Gegensätze wie Darstellung des hässlich Schönen, des wissenschaftlich Naiven, des gutmütig Aggressiven in riskanten Idyllen voll schrill harmonischer Farbigkeit, gemalt mit einer scheinbar linkischen Sicherheit, sind die Stilmerkmale.
Das Lob der Schizophrenie hat Peter Pongratz schon in Zeiten der von Otto Breicha erfundenen Künstlergruppierung "Wirklichkeiten" gesungen; als eigentlichen Lehrer bezeichnet der mehrjährige Assistent von Max Weiler an der Akademie den verstorbenen Johann Hauser aus dem Haus der Kunst in der Nervenklinik Gugging. "Get mad" und die letzten Selbstporträts mit der Aufschrift "Ich selbst, schon alt sechzig Jahre, ohne Haare, schwer hysterisch, manisch depressiv" verfolgen diese Orientierung bis heute. Sie begann während seines Studiums in Wien und Berlin nach der "Art brut" Dubuffets und den Cobra-Künstlern.
Ein Schwerpunkt in Eisenstadt ist die große Serie von Grafiken und Malerei zum Krieg am Balkan, die von 1991 bis 1994 enstanden sind, als dem pazifistisch geprägten Künstler, der als Kind die Bombenkeller erlebt hatte, ungewollte Distanz zu seiner Wahlheimat Kroatien aufgezwungen wurde. Es ist nach Goya kaum einem Künstler gelungen, die Schrecken und den Schmerz der Nacht des Krieges adäquat zu Papier und auf die Leinwand zu bringen. Pongratz' monumentales Gemälde zu "Sarajevo" ist der gelungene Versuch, die Angst mit seinen Mitteln der Kunst zu bannen.
Was bleibt nach der Betrachtung der bunten grafisch-malerischen Chiffren einer gefundenen Ursprache, ist, bei aller Buntheit und Lebensfreude von Badenden und Liebenden neben diesen ernsten Zyklen, das Gefühl, vor einem wahren Abbild unserer wahnsinnigen Welt zu stehen: authentisch und ungebrochen kämpferisch.
Als Ergänzung ist auch ein Besuch der Galerie 1990 in Eisenstadt in der Joachimsstraße mit kleineren Bildern von Pongratz zu empfehlen.

Erschienen am: 05.07.2002

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