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09.04.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Ausstellung: Nackt im Metropolitan Museum?
Den Frauen in der Kunst ist zurzeit nicht zu entkommen: Ausstellungen in Krems, St. Pölten, Passau sowie einschlägige Diskussionsrunden stimmen skeptisch.

Sicher ist es wichtig. Das Ungleichge wicht der Geschlechter in der Kunstszene ist von der Landkarte der Macht immer noch relativ leicht abzulesen: Von elf Bundesmuseen werden nur zwei von Frauen regiert. Und unter neun Professoren trifft man etwa auch am Wiener Institut für Kunstgeschichte nur auf zwei Damen. Seltsam, wird hier doch traditionell ein überwiegend weiblicher Nachwuchs herangezogen. Nur, diese Verhältnisse sind altbekannt, scheinen sich sogar schleichend zu bessern. Warum also häufen sich gerade in den vergangenen Monaten so penetrant die Frauen-Sonderveranstaltungen? Sogar im Wiener Off-Kunstverein "Depot" müssen am 14. April Künstlerinnen mit Künstlerinnen über das Künstlerinnentum diskutieren. Das mag nur verstehen, wer sich auch die Ausrufung des jubiläumsresistenten heurigen Rubens-Jahres erklären kann.

Hinter "Frauenbild", "Frau im Bild", oder wie sie alle heißen, stecken natürlich die Männer. In diesem Falle sogar nur einer, nämlich Carl Aigner, der übrigens gerade zum Österreichkommissär der Biennale New Delhi berufen wurde. Unter seiner auslaufenden Ägide wurde in der Kunsthalle Krems die monumental zu nennende Ausstellung "Rosen - Mimosen - Herbstzeitlosen" geplant, die Mitte Februar zu Ende ging. In gestraffter Form lebt diese zurzeit im Museum moderner Kunst in Passau weiter. Als neuer Direktor des St. Pöltner Landesmuseums ließ Aigner auch in der Shed-Halle eine einschlägige Schau entstehen.

Es verwundert, dass hier eine Ghettoisierung von Frauen-Arbeit nicht einmal gewittert zu werden scheint. Nach dem Motto: Gut genug für Sonderausstellungen, aber in der Sammlung lieber nicht. Positiv fällt da die Dauer-Präsentation in St. Pölten auf: Zwischen Boeckl, Nitsch, Messensee hängen doch wirklich Bilder von Florentina Pakosta, Grete Yppen, Christa Hauer, Inge Dick. Im Stockwerk darunter dann "Frauenbild", kuratiert von Alexandra Schantl. Der Unterschied zur Kremser Schau ist erst einmal die Ausweitung auf männliche Frauenbild-Produzenten: Adolf Frohner quetschte einst einen Gipskörper zwischen Holzplatten, Manfred Schneider fotografiert abwechselnd Balkone und Büstenhalter, Robert F. Hammerstiel gleich Barbie in Großaufnahme. Eine dringend nötige Konfrontation zwischen männlichem Blick und Selbstbild der Frau: In St. Pölten gewinnen die Künstlerinnen durch komplexere und kritischere Taktiken. Angenehm sind auch die vielen eher unbekannten Namen, wie Claudia Klucaric, die zwecks Hinterfragung des Märchenprinz-Klischees Frösche an Selbstporträts kettet, oder Judith P. Fischer, die ihren zusammengekauerten Körper via Fotomorphing zur Kapsel verwandelt.

Der Unterschied männlicher/weiblicher Blick ist auch im Passauer Museum moderner Kunst Stiftung Wörlen eklatant: Während sich im oberen Stock des entzückenden ehemaligen Priesterhauses aus freizügigen Beispielen von Munch, Picasso bis Balkenhol (Sammlung Würth) die Brüste nur so strecken, hat sich auf zwei Stockwerken darunter die Kremser Frauen-Ausstellung neu erfunden: Ohne mehr einem enzyklopädischen Anspruch gerecht werden zu müssen, können die einzelnen Werke erst richtig wirken. Die Auswahl wirkt logischer, beginnt in den konzeptuellen 60er Jahren und endet im Heute, etwa mit einem Video von Anna Jermolaewa, wo ein Spielzeug-Sportflitzer über einen nackten Frauenkörper kurvt. Dazwischen liegen die heute großteils verdrängten österreichischen Performance-Künstlerinnen, stark in den 60er und 70er Jahren, wie etwa Rita Furrer. Dazwischen fragt ein Plakat der "Guerilla Girls" aus 1989: "Do women have to be naked to get into the Met Museum?" Hängt heute wohl davon ab, ob dort gerade eine Frauen-Ausstellung stattfindet oder Carl Aigner einen internationalen Karrieresprung hinlegt.

"Frauenbild" im Landesmuseum St. Pölten: Bis 2. Mai. Di. bis So. 10-18 Uhr. Frauenausstellungen im Passauer Museum moderner Kunst: Bis 27. Juni. Di.-So. 10-18 Uhr.

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