Ausstellungen 
   
   
    Graz: Wiedereröffnung Forum Stadtpark 17. bis 19 Mai Patricia Grzonka  
   
   


Nach einer halbjährigen Umbauphase durch die Grazer Architekten Ernst Giselbrecht und Peter Zinganel wurde das traditionsreiche Grazer Forum Stadtpark diesen Mai wiedereröffnet. Der Umbau bedeutete vor allem eine Vergrößerung der Nutzfläche: mehrere Seminarräume sind in einer aufgestockten zweiten Etage neu entstanden, die mit einer großzügigen Öffnung und Terrasse auf die Grünanlagen des Parks hinaus eine attraktive Ebene für Vermittlungsaktivitäten bieten.

Aber auch strukturelle Erweiterungen gehen mit dieser Neugestaltung einher, wie zum Beispiel die Einrichtung von Stipendiatsaufenthalten für KünstlerInnen. Als erste ProfiteurInnen dieses neuen Programms arbeiten zur Zeit die Künstlerinnen und Kuratorinnen Andrea Knobloch, Kyra Stratmann und Ulrike Kremeier - Miglieder der selbstorganisierten Vermittlungsstation »Plattform« in Berlin - in Graz an der Recherche zu einem längerfristigen Projekt mit dem Titel »prima leben und sparen«. Die Künstlerinnen haben eine Präsentation des Projekts im Lauf des Septembers angekündigt.

Neue Aktivitäten und ein frischer Schub von kultureller Produktion sollen das Forum Stadtpark wieder diskursrelevant positionieren. In diesem Zusammenhang klangen dann die Ankündigungen der Eröffnungsveranstaltungen irgendwie resignativ. Innerbetriebliche Selbstreflexion wäre vielleicht zur Zwischenbilanzierung eine adäquate Strategie, als Neuanfang ist es ein wenig ermutigendes Postulat. »Hinten Dabei Š - Hippnessverfall im Kunstbetrieb und anderswo« lau- tete die Betitelung des von Oliver Marchart organisierten Symposions, das sich den Mechanismen der »In und Out«, des »Vorne und Hinten« im aktuellen Kunstgeschehen, aber auch in angrenzenden Feldern wie Pop oder Neue Medien widmete.

Wurde somit die alte Frage nach den Avantgarden in der Kunst neu gestellt, mit Fokussierung auf das produzierende Personal wie KuratorInnen, SchreiberInnen etc., so fehlte doch die entscheidende Differenzierung zwischen offiziellem, mehr oder minder populistischem Kommerzbetrieb und eher kritisch agierenden autonomen Institutionen. Nur so ist es zu verstehen, dass Günther Jacob in seinem Eröffnungsvortrag österreichischen KünstlerInnen aufgrund der gegenwärtigen politischen Situation einen Bonuskredit gegenüber allen »nichtösterreichischen« KünstlerInnen einräumte, die sozusagen mit gierigen Blicken auf Österreich schauten, wo die (eindeutigen) Produktionsbedingungen derzeit leichtes Arbeiten garantierten. Mit dem zweiten Schwerpunkt des Eröffnungsprogramms, dem Ausstellungsprojekt »Delay« (von Ruth Maurer und Michael Zinganel, wur- de eine Reihe heterogener künstlerischer Positionen präsentiert, die sich unter einer letztlich ästhetischen Prämisse wiederfanden. Den unterschiedlichen Ansätzen war die Frage nach dem »schweifenden Auge und der Attraktivität von Beiläufigkeiten gemein. Welche Ökonomien der Aufmerksamkeit regeln die künstlerische Produktion? Verzögerung - Delay - wurde dabei hauptsächlich als zeitliche Dimension gefasst: Elke Krystufeks Auseinandersetzung mit den sexistischen Äußerungen Otto Weiningers, Florian Pumhösls Fotoarbeiten, die im Zuge seiner Beschäftigung mit der verschütteten Geschichte des Lac Mantasoa in Madagaskar entstanden sind oder Bernhard Fruehwirths gemeinsam mit G.R.A.M. produzierten Fotos auf der Suche nach dem verlorenen Vater. Eine andere Linie leitete sich aus der Geschichte des Ortes selbst ab: die Rekonstruktion eines Stellwandsystems von Werner Hollomey, dem Architekten des Umbaus des Forum Stadtparks von 1958/60 oder Josef Dabernigs Abschreibarbeiten, hier mit einem Buch des italienischen Strukturalisten Vittorio Gregotti vertreten, der, wie Hollomey, als Vertreter der architektonischen Nachkriegsmoderne gilt.

 
     

© 1997-99 springerin