03.12.2001 14:26:00 MEZ
"Unübertroffener Provinzialismus"
Empörung über Kündigung des Tiroler Kunsthallenleiters: "Kulturpolitik könnte nicht reaktionärer sein"

Innsbruck - Gegen eine Schließung der Kunsthalle Tirol und gegen eine Kündigung des Geschäftsführers, Huber Salden, hat sich der Vorstand der internationalen Vereinigung der Kunstkritiker, Kunstschriftsteller und Kuratoren, AICA in Paris (eine NGO der UNESCO), am Montag ausgesprochen. An die verantwortlichen Landespolitiker erging ein Appell, die Kündigung zurück zu ziehen.

"Rücksichtslos", "unqualifiziert", "mangelnde Zivilcourage", "politische Verantwortunglsosigkeit"

"Die Regierung in Wien sowie jene einiger Bundesländer haben sich zur Zeit offenbar einer Kulturpolitik verschrieben, die reaktionärer nicht sein kann", hieß es in einer Aussendung. Die Schließung des Pariser Kulturinstitutes und der "Fall Kunsthalle" seien an Provinzialismus "unübertroffen". Die Haltung des Haller Bürgermeisters Leo Vonmetz und der Stadtregierung sei "rücksichtslos und unqualifiziert". Den Stadt- und Landespolitikern, die dem "Benehmen" des Bürgermeisters zunächst "kritisch" gegenüber gestanden seien, wurde "mangelnde Zivilcourage" und "politische Verantwortungslosigkeit" vorgeworfen.

Musikantenstadl und Kitsch statt moderner Kunst

Es gebe "genügend Möglichkeiten Musikantenstadeln abzuhalten" und "mit anderem volksbrauchlerischen Kitsch Publikum anzulocken". Dass sich die "Engstirnigkeit zwischen den hohen Bergen in Tirol besonders festsetzt", sei umso bedauerlicher, "als gerade hier viele bedeutende moderne Künstler geboren wurden".

Kündigung eine "Retourkutsche"?

Salden betonte, dass vorerst noch nicht klar sei, ob er nun "rechtsgemäß" gekündigt worden sei oder nicht. Der Bürgermeister und die Gesellschafter der Kunsthalle hätten keinen Grund, um ihn "davon zu jagen", denn in künstlerischen sowie kaufmännischen Belangen gebe es nichts zu beanstanden, betonte Salden. Der Bürgermeister habe in ihm, Salden, wohl eine "Proforma-Figur" gesehen, da der Kunsthallenbetrieb auf eine Ausstellung im Jahr reduziert werden sollte. Da Salden eine Nutzung der Halle für andere Zwecken, wie Messen oder Tanzveranstaltung, nicht befürwortet habe, dürfte die Kündigung wahrscheinlich eine "Retourkutsche" dafür gewesen sein, mutmaßte der Kunsthallenleiter.

Eine statt 2,5 Millionen Schilling - lokale statt internationale Experten

Nicht wie von Kulturstaatssekretär, Franz Morak, zugesagte 2,5 Millionen, sondern "nur eine Million" sei bislang ausbezahlt worden, schilderte Salden seine schwierige Situation. Auch sei jener Arbeitskreis, der von Kulturlandesrat Günther Platter eingesetzt worden sei, nicht mit "internationalen" Experten bestückt, sondern setzte sich aus lokalen "Experten" zusammen, ortete Salden ein weiteres Manko. Darüber hinaus warf er der Stadt Hall vor, versucht zu haben, einen Teil der "eigenen Subventionen" über "verdeckte Mietkosten" wieder zurück zu fordern. (APA)


Quelle: © derStandard.at