Bourdieu galt als einer der einflussreichsten Soziologen der vergangenen Jahrzehnte. Mit seinem Werk "La Distinction" ("Die feinen Unterschiede"), das 1979 in Frankreich und 1982 in Deutschland erschien, wurde Bourdieu berühmt. Darin entschlüsselte er die französische Geschmackskultur und wurde dafür als "Meister der Lebensstilanalyse" gefeiert.
"Ich bin tief bewegt. Seit 35 Jahren bin ich intellektuell und freundschaftlich mit Bourdieu verbunden", sagte Champagne. "Er war 71 Jahre alt, aber sehr jung geblieben. Er verfügte über eine außerordentliche Vitalität." Noch von seinem Krankenbett aus habe Bourdieu die Arbeiten seiner Mitarbeiter korrigiert. Zu den bekanntesten Schriften Bourdieus gehören neben "Die feinen Unterschiede", "La Misère du monde" (1993, "Das Elend der Welt"), "Homo Academicus" (1984) und "La Noblesse d'État" (1989).
Der sozialkritische Wissenschafter sorgte mit seinen politischen Stellungnahmen und Offensiven in den neunziger Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Hauptsächlich kritisierte er die Gesinnung des radikalen Neoliberalismus. Als Gründer von "Raisons d'agir" und als Kämpfer gegen die Globalisierung erlangte er auch Politprominenz. 1993 wurde Bourdieu mit der "Médaille d'or du Centre National de Recherche Scientifique" (CNRS) geehrt, der höchsten Wissenschaftsauszeichnung Frankreichs.
Bourdieu wurde am 1. August 1930 in der südwestfranzösischen Stadt Denguin
geboren. Nach dem Studium der Philosophie an der Elitehochschule "École normale
supérieure" in Paris arbeitete er zunächst als Lehrer, bevor er 1958
wissenschaftlicher Assistent an der philosophischen Fakultät in Algier wurde.
Später lehrte er in Paris, dann in Lille. Ab 1981 war er Professor und Inhaber
eines Lehrstuhls für Soziologie am renommierten "Collège de France".
(APA/Reuters/red)
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