01.03.2002 20:28:00 MEZ
Subvention für Public Netbase
Netzkulturinitiative erhält von der Stadt Wien 218.000 Euro

Die Netzkulturinitiative Public Netbase erhält für ihre laufenden Aktivitäten im Jahr 2002 von der Stadt Wien eine Subvention in Höhe von 218.000 Euro. Das hat der Wiener Gemeinderat am Freitag mit den Stimmen von SPÖ und Grünen beschlossen.

Angenommen wurde auch ein Resolutionsantrag der SPÖ, in dem Bildungsminsterin Elisabeth Gehrer (V) und Kunststaatssekretär Franz Morak (V) zur räumlichen und finanziellen Unterstützung der "verdienstvollen Kulturinitiativen der ersten Stunde" des MuseumsQuartiers (MQ), insbesondere der Public Netbase, aufgefordert werden. Auch dieser Antrag erhielt die Zustimmung von SPÖ und Grünen.

Für Gerda Themel (S) ist Public Netbase eine jener Institutionen, "die noch lange vor Beginn des Baus des Museumsquartiers in den damals höchst desolaten Räumen der ehemaligen Messehallen ihren provisorischen Betrieb aufgenommen und damit wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich das Museumsquartier als künstlerisch lebendiger Ort im Zentrum Wiens etabliert hat". Die Stadt Wien habe im Gegensatz zum Bund alle ihre Versprechen gegenüber der Institution gehalten.

Auch Christoph Chorherr, Klubobmann der Grünen, setzte sich vehement für die Subvention ein. Heftige Kritik übte er an der MQ-Leitung. Die MuseumsQuartier-Betriebsgesellschaft befinde sich mit nahezu allen Nutzern im schwersten Konflikt. "Hier gehört wirklich ein personeller Neubeginn gemacht", so Chorherr in Anspielung auf MQ-Geschäftsführer Wolfgang Waldner. Auch die Stadt Wien als 25-Prozent-Eigentümer solle sich dafür einsetzen.

"Fass ohne Boden?"

In der Debatte zur Subvention bezeichnete VP-Gemeinderat Andreas Salcher Public Netbase als "parteipolitische Vorfeldorganisation von Rot-Grün". Die Internetplattform sei zu einem Fass ohne Boden geworden, das Millionen von Steuergeldern verschlinge und anderen Künstlern Geld wegnehme. Die Unterstützung der Stadt Wien stelle einen "Rückfall in das Paläozoikum des Kulturinterventionismus" dar und sei daher abzulehnen.

Ungewohnte Unterstützung für seine Argumentation gegen die Netzkultureinrichtung holte sich der FP-Abgeordnete Gerald Ebinger aus der Wiener Stadtzeitung "Falter". Er verwies auf die jüngste "Best of Böse"-Liste der Zeitung. Konrad Becker, der Leiter der Public Netbase, rangiert dort im Ranking der "100 Top-Bösen" auf Platz 70. Ebinger zitierte genüsslich: "Okay, wir habens mitgekriegt: Alles hat sich gegen die 'Public Netbase' verschworen. Aber könnten Sie uns vielleicht endlich mal verraten, was so eine 'Public Netbase' überhaupt ist?"

Public Netbase-Leiter Konrad Becker zweifelte trotz Subvention am Überleben seiner Institution: "Wir gehen lieber in Würde unter, als über Jahre einen unwürdigen Todeskampf zu führen."(apa/red)


Quelle: © derStandard.at